Gerd Heidemann der Spürhund / Ein ehemaliger Kriegs- und Starreporter beim Stern Teil3


©behind/M.Schulz – „Einer von sechszehn Stern-Fotografen. Einer der besten der Welt“

September 1970, Heidemann jettet für den „Stern“ nach Amman – 3 Flugzeuge mit Hunderten Passagieren an Bord befinden sich in der Gewalt palästinensischer Fanatiker. Die Maschinen werden in die Luft gejagt. Einige Tage später lässt König Hussein seine Armee in die Hauptstadt Amman einmarschieren und gegen die Palästinenser vorrücken. Ein blutiger Häuserkampf beginnt, der als „Schwarzer September“ in die Geschichte eingeht. Mitten in diesem Chaos zwei „Stern“-Reporter, Gerd Heidemann und Randolph Braumann.

Fotostrecke: Gerd Heidemann der Spürhund / ein ehemaliger Kriegs- und Starreporter beim “Stern”

Die beiden Reporter haben den Auftrag, Geiseln und Entführer zu interviewen. Sie werden durch den ausbrechenden Bürgerkrieg getrennt. Randolph Braumann wird von einem palästinensischen Anführer wegen angeblich falscher Pressemeldungen zum Tode verurteilt. Eingehende Meldungen bestätigen, dass „Braumann bereits hingerichtet worden ist“.
In der Hamburger „Stern“-Redaktion liegen die Nerven blank. Kurze Zeit später, ein neuer Hoffnungsschimmer: Der Reporter Braumann befindet sich im Hotel Philadelphia, das unter Beschuss liegt, mit ihm sechzehn weitere Personen, darunter Engländer und Japaner. Sie sind in dem Hotel eingeschlossen. Rausgehen ist glatter Selbstmord, in der jordanischen Hauptstadt Amman herrscht strikte Ausgangssperre. Die Telefone funktionieren nicht mehr. Die Armee hat Anweisung, auf jeden zu schießen, der die Straße betritt.

In Hamburg hat der „Stern-General“ Nannen längst zum Rückzug geblasen. Er glaubt, dass Braumann bereits tot ist, und will nun nicht auch noch Heidemann verlieren. Doch Heidemann leistet zum ersten Mal Befehlsverweigerung, will ohne seinen Kollegen Braumann nicht wieder abreisen. In einer todesmutigen Aktion gelingt ihm das Unglaubliche. Bewaffnet mit einem Besenstiel, an dessen Ende ein weißes Handtuch baumelt, handelt er zwischen der jordanischen Armee und der palästinensischen Fatah einen Waffenstillstand aus, damit das Hotel evakuiert werden kann. Mehrere Male robbt er zwischen den Fronten im Staub fahnenschwenkend hin und her.

Der befehlshabende Offizier im Hauptpostamt von Amman – dem letzten Außenposten der jordanischen Armee -, ist von dem deutschen Reporter, der seinen Kollegen retten will, sichtlich beeindruckt. Tatsächlich gelingt ihm das Kunststück: eine Dreißig-Minuten-
Feuerpause wird vereinbart. Randolph Braumann und sechzehn weitere Hotelgäste, können gerettet werden. Gerd Heidemann ein Held. In der Hamburger Stern-Redaktion knallen die Schampus-Korken. Randolph Braumann ( Randolph Braumann, in seiner „Stern“-Ära von 1965-75 der Kriegsreporter schlechthin, eine Legende des Gewerbes. Biafra, Sudan, Israel-Ägypten, Vietnam, Laos, Kambodscha ) ist unendlich dankbar, schlägt Heidemann sogar für das Bundesverdienstkreuz vor.

dd

(msc)
Teil 1 Gerd Heidemann – Jugend und Werdegang

Teil 2 Gerd Heidemann der Reporter beim Stern

Teil 3 Gerd Heidemann und der „Schwarze September“

Teil 4 Das Ressort Zeitgeschichte und das NS-Netzwerk

Teil 5 Die Tagebuch-Falle und die Säuberung des Stern

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10 Responses to Gerd Heidemann der Spürhund / Ein ehemaliger Kriegs- und Starreporter beim Stern Teil3

  1. Michael Rohde sagt:

    Diesen Sommer lernte ich Gerd Heidemann in Berlin kennen.
    Zwei Tage lang unterhielt ich mich mit Ihm und hörte Ihm
    gespannt zu.
    Er erzählte mir seine ganze Lebensgeschichte und viel mehr noch
    von seiner Arbeit.
    Er ist ein wunderbarer Mensch und Zeitzeuge, dem leider nur wenige zuhören,
    wie schade!

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