Gerd Heidemann der Spürhund / Ein ehemaliger Kriegs- und Starreporter beim Stern Teil2


©GHS-Archiv – Gerd Heidemann und Margit Nünke „Miss Germany“ , 1956

1955 ist Heidemann bereits ein bekannter Reporter. Bis dahin ist er allerdings noch freier Mitarbeiter ohne Festanstellung. Dann ist es endlich so weit. In seinem Tagebuch verzeichnet er im August 1955: „Nun habe ich es endlich geschafft. Stern-Reporter!. Für Gerd Heidemann, der erste feste Job.
Innerhalb weniger Wochen avanciert er zum heimlichen Liebling des „Stern“-Gründers Henri Nannen. 1956 wird er von Nannen zur damaligen Miss Germany „Margit Nünke“ geschickt und darf für diesen Einsatz sogar den 300er Daimler-Cabrio des „Stern“-Gründers fahren.

Fotostrecke: Gerd Heidemann der Spürhund / ein ehemaliger Kriegs- und Starreporter beim “Stern”

Mit der Schönheitskönigin und dem teuren Auto des Chefredakteurs reist Heidemann tagelang durch Deutschland.
In den 60ern macht Heidemann für eine große „Stern“-Serie eine Exklusiv-Reportage über die „Stars und Sternchen“ der Bundesrepublik.

Durch seine einnehmende Art entlockt er seinen Gesprächspartnern die intimsten Geheimnisse. Die Stars der Bundesrepublik plaudern aus dem Nähkästchen. Millionen „Stern“-Leser gewinnen so intimste Einblicke in die Skandale, Pleiten, Intrigen und das Leben der schillernden Persönlichkeiten.

Die abenteuerliche Suche nach B. Traven
1962 beginnt für Heidemann „die abenteuerliche Suche nach B.Traven“. Durch sozialkritische Abenteuerromane wurde B. Traven weltberühmt und galt als der erfolgreichste deutschsprachige Schriftsteller seit Karl May. Doch alles, was man von im wusste, war sein Pseudonym und die Nummer seines Postfachs in Tampico. Vierzig Jahre hielt er sich in Mexiko versteckt. „Das packende Duell zweier Abenteurer“ begann: Gerd Heidemann auf der Suche nach B. Traven.
Im August 1962 wird Heidemann von Nannen zu sich gerufen. Nannen fragt: „Kennen Sie Traven?“ Heidemann antwortet: „Meinen Sie den geheimnisvollen Schriftsteller?“ Nannen: „Finden Sie ihn!“. Das Abenteuer beginnt.

Über vier Jahre recherchiert er. Vom „Stern“ wird die Sache längst abgeblasen, Heidemann bereits von Kollegen für „verrückt“ erklärt. Doch der „Spürhund“ des „Stern“ lässt nicht locker, hat sich festgebissen. Aus eigener Tasche finanziert Heidemann weitere Recherchen. B. Traven wird für ihn zum beherrschenden Thema. 70 000 Kilometer rund um die Erde, verfolgt er die Spuren des mysteriösen Schriftstellers B. Traven, stellt 70 Ordner Material über ihn zusammen, opfert Urlaube und freie Minuten. Im Dezember 1966 dann der Erfolg. Heidemann hat B. Traven in Mexiko aufgespürt, steht im leibhaftig gegenüber. Eine Weltsensation.

Zu diesem Zeitpunkt weiß B. Traven noch nicht, dass er einem der größten Top-Reporter Deutschlands gegenübersteht, denn Heidemann gibt sich als archäologischer Helfer ( Fotograf eines Archäologen ) aus. Im Mai 1967 dann die Sensationsreportage im „Stern“ „Wer ist der Mann, der Traven heißt?“. Schon zwei Jahre später stirbt der geheimnisvolle Schriftsteller in Mexiko-Stadt mit sechsundachtzig Jahren und wird eingeäschert. Seine Asche wird vom Flugzeug aus über den mexikanischen Bundesstaat Chiapas verstreut. Wenn Heidemann ihn nicht gefunden hätte, hätte ihn vielleicht überhaupt keiner mehr lebend gefunden.

Gerd Heidemann im Kongo
1964 schickt der „Stern-General“ Henri Nannen seinen „Spezial-Soldaten“ Heidemann in den Kongo. Im Kongo ist die Hölle los. Die Regierung ist gerade zusammengebrochen, es herrscht Bürgerkrieg, Weiße und Schwarze metzeln sich gegenseitig nieder. Un-Truppen haben sich bereits zurückgezogen und im Land kämpfen Söldnertruppen. „Im Kongo herrschte kein Chaos, der Kongo war ein regelloser Irrgarten geworden.“ Peter Ferdinand Koch, „Der Fund“
„Diktaturen, Auftragsmorde, Rebellionen, Massaker, Sezessionen, bewaffnete Konflikte, ethnisch motivierte Zusammenstöße, Banden- und Guerillatätigkeit, ausländische Interventionen, Staatszerfall und Ressourcenplünderung wiederholen sich in steter Folge.“ Martin Papst

Mitten in diesem kongolesischen „Schlachtfest“, Gerd Heidemann und dreißig weiße Söldner, das „Kommando 52“. Auf dem schwarzen Kontinent sieht die Welt damals anders aus als in Europa. 1964 ist im Kongo ein Menschenleben keinen Pfifferling mehr wert. Heidemann sieht hier die ersten Opfer dieses blutigen Konfliktes. Auf den Straßen liegen von Ameisen zerfressene Leichen. Zudem machen einem die Moskitos das Leben schwer. Heidemann begleitet für den „Stern“ einen Trupp weißer Söldner, das „Kommando 52“. Ihr Anführer ist ein gewisser „Kongo-Müller“, ehemaliger Wehrmachtssoldat und Eisernes-Kreuz-Träger, der dort im Auftrag Moise Tschombés den Aufstand der so genannten „Simbas“ im Osten des Kongo niederschlagen soll.

Heidemann gelingt eine sensationelle Reportage über den blutigen Söldnerkrieg im Kongo. Nach seiner Rückkehr, die große „Kongo-Story“ im „Stern“: Sensationsfotos – die Bilder gehen um die Welt.

Kurz darauf, eine internationale Auszeichnung: 1965 erhält er bei der World Press Photo 65. für seine Bildreportage aus dem Kongo „den 1. Preis Bildreportage“, die Worldpress-Goldmedaille in Den Haag.

(msc)

Teil 1 Gerd Heidemann – Jugend und Werdegang

Teil 2 Gerd Heidemann der Reporter beim Stern

Teil 3 Gerd Heidemann und der „Schwarze September“

Teil 4 Das Ressort Zeitgeschichte und das NS-Netzwerk

Teil 5 Die Tagebuch-Falle und die Säuberung des Stern

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