Der Fotograf des Dalai Lama – Interview mit Manuel Bauer


©JungeMedien Hamburg/M.Schulz

Der schweizer Fotograf Manuel Bauer fotografiert seit 17 Jahren den Dalai Lama. Noch in den 80er Jahren war er „Fotograf des Kommerz“. Ganz zuhause war er dort nie. 1995 gelingt ihm in einer halsbrecherischen „Flucht aus Tibet“, eine der meist ausgezeichneten Fotoreportagen der 90er Jahre. Er ist heute Dozent für Fotojournalismus und offizieller Fotograf des Dalai Lama.

Anlässlich des Besuchs Seiner Heiligkeit des 14. Dalai Lama in Hamburg, stellte Flo Peters Gallery Manuel Bauers Fotografien aus dem Leben des Dalai Lama – „Unterwegs für den Frieden“ aus.

Herr Bauer, wie haben Sie den Dalai Lama eigentlich kennengelernt und wie alt waren Sie damals?
Das war im Februar 1990 in Dharamsala. Ich war 23 und fotografierte für eine Ausstellung die Tibetische Diaspora in Indien. Unter anderem auch einen Tag im Leben des Dalai Lama.

Auf über 40 Reisen haben Sie den Dalai Lama weltweit begleitet. Mussten Familie, Freunde und Privatleben bei Ihnen da große Einschnitte hinnehmen?
Das gehört zu meinem Beruf. Wichtig war, dass meine Frau mich schon so kennengelernt hat, als einer der so ca. 6 Monate im Jahr weg war. Das war also nichts Neues. Und auch sie ist jemand, dem es wichtig ist einen Beruf aus Überzeugung auszuüben. Schon in meiner Ausbildung musste ich sehr viel Arbeiten; Hobby’s wie Musik oder Sport hatten da keinen Platz mehr. Ich beklage mich nicht, war ja alles meine freie Entscheidung. Seit wir Kinder haben, reise ich nicht mehr so lange am Stück. Das war natürlich ein schöner Luxus vorher, sich so treiben lassen und sich ganz behutsam an ein Thema heranarbeiten zu können. Aber dank der gesammelten Erfahrung bin ich heute auch schneller in meinen Themen drin. Für meine Frau ist es manchmal schon sehr belastend, die ganze Familienarbeit selber zu machen, wenn ich weg bin. Vor allem, weil eines unserer Kinder behindert ist. Aber wir haben viele liebe Helferinnen um uns. Ich denke, es kann für die Familie auch bereichernd sein, wenn ein Mitglied immer wieder von außen mit neuen Impulsen kommt.

Ihre Foto-Reportage „Flucht aus Tibet“ über das sechsjährigen tibetischen Mädchen Yangdol, das mit seinem Vater von Lhasa über eisige Berge des Himalayas nach Indien bis ins Exil des Dalai Lama flüchtete, ist eine der meist ausgezeichneten Fotoreportagen der Neunziger Jahre. Wie war es Ihnen möglich, diese Strapazen auf einer 2200 Kilometer langen risikoreichen Flucht zu überstehen? Hatten Sie keine Angst?
Natürlich hatte ich Angst. Aber da war einfach genug Empathie zu den TibeterInnen. Wenn Sie bedenken, was für Gräueltaten diesem Volk widerfahren, ist meine kleine freie Entscheidung, nämlich zu versuchen eine Flucht zu dokumentieren, nicht irgend eine große Leistung. Da ist nichts heldenhaftes dran. Für mich war das ganz natürlich und eine Selbstverständlichkeit. Wir haben das mit viel Glück überlebt. Glück gehört bei so einer Sache mit dazu.

Sie haben eine Ausbildung als Werbefotograf gemacht und sich dann plötzlich dem Journalismus zugewendet. Wie kam der innere Wandel bei Ihnen vom Fotografen des „Kommerz“ zum Fotografen für die Armen und Unterdrückten zustande?
Es war mir von Anfang an nicht wohl in der kommerziellen Werbung. Da war nicht ein plötzlicher Schnitt. Schon früher gehörte ich wohl eher zu den sozial engagierten. Meine Ausbildung in der Werbung war ein hervorragende Basis und ich hab da vor allem gelernt zu Arbeiten. Hinzu kam, dass ich jung war und mir das Selbstbewusstsein fehlte, um einfach in den Beruf einzusteigen, oder schon da genau zu wissen, was ich wollte. Das sind oft fließende Entwicklungen.

In Ihrem Dia-Vortrag „Dalai Lama – Unterwegs für den Frieden“ haben Sie regenbogenfarbene Wolkenformationen am Himmel erwähnt, die bei Zeremonien des Dalai Lama auftauchten. Sie zeigten Fotografien davon. Haben Sie eine Erklärung für diese Erscheinungen?
Das sind ganz einfach Halos. Die Brechung des Sonnenlichtes findet in meist sehr hoch geschichteten Eiskristallen statt. Eindrücklich ist, in welcher Regelmäßigkeit dieses Glückssymbol der Tibeter erscheint, wenn der Dalai Lama präsent ist.

Sie erwähnten in Ihrem Dia-Vortrag außerdem, dass der Dalai Lama Glaubenskonvertierungen kritisch gegenüberstehe, da Menschen oft aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kommen, was eine Konvertierung oft schwierig machen kann. In welcher Religion sind Sie aufgewachsen, und würden Sie sich heute als religiös bezeichnen?
Ich bin in einer christlichen Gesellschaft aufgewachsen. Ich bin nicht sehr religiös. Aber unsere ganze Kultur ist von unserem Glauben geprägt. Wenn ich ein solch schlechter Buddhist werde, wie ich schon Christ bin, brauche ich gar nicht erst zu konvertieren. Man kann in jeder Religion oder in jeder Gesellschaft gutes tun. Ich habe großen Respekt vor dem Tibetischen Buddhismus. Wenn ich Konvertieren würde, würde ich das 100%ig machen wollen. Dann wär ich wohl kein Fotograf mehr, sondern ein sicher allerhöchstens mittelmäßiger Mönch. Wichtig erscheint mir, einen Platz in der Gesellschaft zu finden, von wo aus man gutes tun kann.

Wie sind Sie als Europäer mit den neuen kulturellen Herausforderungen zurechtgekommen, war die Umstellung für Sie schwer?
Wie gesagt, habe ich nicht konvertiert. Aber in unserer Geschichte hatten wir derart auch oft die Möglichkeit voneinander zu lernen. Das ist eine großes Glück und eine große Chance.

Der Panchen Rinpoche, der für die Wahl des nächsten Dalai Lama wichtig ist, wurde im Alter von 6 Jahren von chinesischen Sicherheitskräften entführt. Er gilt seitdem als jüngster politischer Gefangener und sein Aufenthaltsort ist angeblich unbekannt. 1995 ernannte die chinesische Regierung den Knaben Gyaincain Norbu zum neuen Panchen Lama. Glauben Sie, dass es in Zukunft zu einer Spaltung der tibetischen Religion kommen kann, ähnlich der Spaltung die in Europa durch die beiden Kirchen entstanden ist?
Auch der Tibetische Buddhismus ist vielschichtiger wie er scheinen mag. Aber die TibeterInnen sind auch in Tibet sehr gut informiert. So einfach sind sie nicht manipulierbar. Das zeigt die letzen Jahrzehnte der Unterdrückung durch die Chinesische Regierung. Die größere Gefahr besteht klar in der Sinisierung.

Zur Zeit wird in Kärnten – Hüttenberg an einem tibetischen Zentrum gearbeitet. Eine Universität und Forschungseinrichtungen für tibetische Heilkräuter sollen entstehen. Die klimatischen Bedingungen sind ähnlich wie in Tibet. Kann Hüttenberg ein neues geistiges Zentrum der Tibeter werden? Ist ein neues Tibet denkbar?
Die Tibetische Exilgemeinde hat es unvergleichbar gut verstanden ihre Kultur in der Diaspora zu bewahren. Das ist eine herausragende Leistung. Es gilt nun die Kultur lebendig zu halten. Sie muss sich entwickeln können.

Interview: JMH-Reporter Schulz

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