Canvasco – Kulttaschen aus Segeltüchern / Interview mit Jan-Marc Stührmann


© Privatarchiv, Jan-Marc Stührmann

Jan-Marc Stührmann wurde 1971 in Bad Bevensen geboren.
Er besuchte die Waldorfschule in Ottersberg. Nach dem Abitur absolvierte er seinen Zivildienst bei „pro familia“ in Bremen.
Er studierte an der Universität in Bremen Sport und Politik auf Lehramt. Neben seinem Studium bereiste er viele Länder, erklomm den Kanchenjunga und engagierte sich in sozialen Projekten. 2002 entstanden aus einer spontanen Idee Tragetaschen aus gebrauchten Segelstoffen. Inzwischen gehört die Canvasco GmbH zu einer der führenden Taschenproduktionen in Deutschland.

JungeMedien Hamburg traf sich mit dem Geschäftsführer und Schöpfer dieser Idee, Jan-Marc Stührmann, um mit ihm über die rasante Entwicklung von Canvasco zu sprechen.

Herr Stührmann, vier Jahre sind seit dem Markteintritt von Canvasco vergangen, hätten Sie jemals damit gerechnet, dass diese Idee so eine rasante Entwicklung nimmt?

Nein, auf keinen Fall, schließlich war doch anfänglich alles nur ein Spiel, ganz nach dem Motto „Lass uns mal 50 Taschen für Freunde machen“.
Heute produzieren wir 1200 Taschen im Monat.

Wie genau entstand damals diese Idee?

Nach dem Studium gab es einen Zusammenschluss von drei Leuten, die sich um das Thema Gestaltung für mittelständische Unternehmen kümmerten.
Ein Auftrag war die Seglerzeitung „Transocean“ zu relaunchen. Eine Zeitung, die Segler sich mit an Bord nehmen. Wie sollte das Ding verpackt werden? Nichts lag näher als ein Umschlag aus altem Segel. Segel verlieren nach einer Weile die Statik und müssen ausgetauscht werden, weil sie sonst nicht mehr für den gewohnten Vortrieb sorgen. Im Rahmen der Recherche bin ich auf den „breiten Tragegurt“ gestoßen, habe mir von einem Freund eine Segeltuchtasche mit dem sechs Tonnen tragenden Gurt nähen lassen und bin dann permanent auf die Tasche angesprochen worden. Das war der Anfang von Canvasco.

Wie wurde die Idee am Anfang aufgenommen? Wurden Sie bei der Umsetzung unterstützt, oder hielten es die meisten für eine „Schnapsidee“?

Alle von mir einbezogenen Leute, haben es schon ernst genommen und sahen Potenzial in dem Thema. Nur hatte ich ja gar keine Ahnung von irgendetwas (Marketing, Vertrieb, Produktion, Buchhaltung, Firmenstruktur etc.), insofern wurde die Sache schon belächelt, nicht zuletzt auch von mir selbst.

Was ist der Clou an der Canvasco-Tasche? Was unterscheidet sie von anderen, was macht sie einzigartig?

Jede Tasche hat einen Wiedererkennungswert durch den breiten Gurt mit seinen sechs Streifen, wo jeder für eine Tonne steht und trotzdem hängt immer etwas anderes an dem Gurt. Jede Tasche ist ein Unikat, aber trotzdem gehöre ich dazu und bin hip.
Das macht die Taschen so einzigartig, auch im Vergleich zu Produkten von Mitbewerbern aus dem Recyclingbereich, und man kann die Taschen waschen.

Die Taschen werden im Frauen-Gefängnis in der JVA Vechta produziert. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Ich wollte ursprünglich mit einer Behinderteneinrichtung in Bremen zusammenarbeiten, aber denen war das zu kompliziert. Ein Freund erzählte mir von der JVA in Vechta und wir machten gleich einen Termin. Mir war immer wichtig, dass die Sachen einen sozialen Aspekt bekommen und ich die Geschichte beobachten, und notfalls in sie eingreifen kann, wenn mal was nicht so läuft. Bei Unikaten ist das sehr wichtig – denn wir machen ja ein Produkt mit Charme, den es zu erhalten gilt. In Asien würde das Zeug übrigens ein Drittel von dem Kosten, was es hier kostet, aber wir könnten so den Charme, den eine Tasche ausmacht, nicht gewährleisten.

Wenn man sich Ihren Lebenslauf anschaut, stellt man immer wieder
fest, dass Sie neue Herausforderungen suchen. Was können wir in Zukunft noch von dem kreativen Geschäftsmann Jan-Marc Stührmann erwarten?

Ein biometrisch funktionierendes Fahrradschloss, also eines, welches nicht mit Schlüssel funktioniert, sondern stattdessen mit dem Fingerabdruck geöffnet wird. Das habe ich vor zwei Jahren patentieren lassen.

Inzwischen wird die Canvasco-Produktpalette (Handtaschen, Tragetaschen, Einkaufstaschen, Kindertaschen, Reisetaschen, Portemonnaies, Laptoptaschen…) in über 180 Läden im „Shop in Shop“ -Vertrieb verkauft. Ist auch ein eigener exklusiver Canvasco-Shop geplant?

Es gibt Pläne für einen Flagshipstore in Berlin, aber wir sind noch nicht so weit.

Sie machen einen sehr frischen und ausgeglichenen Eindruck. Was
machen Sie, um Körper und Geist fit zu halten? Haben Sie ein persönliches Geheimrezept, um voller Energie in den Tag zu starten?

Wenigstens dreimal die Woche eine Stunde vor dem Frühstück laufen gehen und nicht zu viel Fleisch essen.

Wo sehen Sie die Canvasco GmbH in 10 Jahren?

Hoffentlich in ganz Europa. In jedem Städtchen, das mehr als 100.000 Einwohner hat, einen Laden, der unsere Taschen verkauft.
Und dass unsere Produktpalette so erweitert ist, dass wir jeden nur erdenklichen Taschenwunsch erfüllen können.

Interview: JMH-Reporter Stuehl

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Eine Antwort zu Canvasco – Kulttaschen aus Segeltüchern / Interview mit Jan-Marc Stührmann

  1. […] Stührmann (the owner of Canvasco GmbH) wants his bags to be produced in jail. In an interview (https://jungemedienhamburg.wordpress.com/2007/12/16/canvasco-kulttaschen-aus-segeltuchern-interview-m…)he replied that he wanted to have a social aspect in his business. At first he even wanted to […]

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