Szina Pätzoldt: „Hamburg braucht mehr Lokalpatrioten“


©Fotos: Privatarchiv Szina / Nazar Moawad

Szina Pätzoldt ist Deutscher mit iranischen Wurzeln, Geschäftsführer der Agentur Szina Media und veranstaltet  seit 2007 jährlich die Miss & Mister Hamburg-Wahl. Die Veranstaltung kürt jedes Jahr die Gesichter der Stadt Hamburg. Die Gewinner dürfen anschließend für Hamburg an der offiziellen Miss Germany-Wahl teilnehmen. Im Interview mit jungeMedien-Hamburg.de erzählt Szina Pätzoldt aus seinem Leben als Deutsch-Iraner und darüber, wie schwer es ist, Hamburger Lokalpatrioten zu finden.

Herr Pätzoldt, Sie sind als Kind eines deutschen Politologen und einer iranischen Schriftstellerin in Hamburg aufgewachsen. Fühlt man sich da mehr als Deutscher oder mehr als Iraner?

Ich bin in Deutschland aufgewachsen und hatte wenig Berührungspunkte zum Iran, da sich meine iranischen Eltern sehr früh scheiden ließen und ich einen deutschen Stiefvater bekam. Dadurch bin ich in einem  sehr deutschen Haushalt aufgewachsen und habe leider auch kein Persisch gelernt. Aber ich bin ein Mensch, der sich für einen Kosmopolit und Freidenker hält. Und ich sage immer:  Die Welt ist wie ein Wohnzimmer für mich, denn ich fühle mich überall zu Hause.

Integration ist in Deutschland mal wieder ein großes Thema. Werden Sie  in Deutschland schief angeguckt, wenn Sie sich als Szina Pätzoldt vorstellen?

Es ist auch heute noch für einige befremdlich, das muss man einfach so sagen. Man erfährt manchmal auch eine gewisse Ausgrenzung. Ich glaube auch, dass mein Name in dieser Hinsicht  manchmal sogar ein Nachteil für mich war, aber der Name hat etwas Individuelles und ich glaube, das hat auch mein Verhalten beeinflusst. Man musste sich am Anfang eines Dialoges fast immer erklären, woher der Name kommt. Das zwingt einen auch, sich mit seiner eigenen Persönlichkeit mehr auseinander zu setzen.

Szina ist eigentlich der Name eines altpersischen Arztes, dadurch kommt auch die Bezeichnung des Mediziners. (Anm. der Redaktion: Abu Ali ibn Sina 980-1037 n.Chr , lateinisiert Avicenna, war ein berühmter persischer Arzt  und gilt als Vater der modernen Medizin). Ein altpersischer Wissenschaftler soll allerdings auch der Entdecker des Alkohols sein. Und Alkohol spielt genauso wie die Medizin heute in vielen Kulturen eine bedeutende Rolle. Mein Nachname ist in Deutschland noch aus den Studentenunruhen in den 60er Jahren bekannt. Mein Vater war damals Vorsitzender des Studentenausschusses AStA der Universität Hamburg und hat damals viele politische Aufgaben für  Studenten übernommen. In vielen Namen steckt also auch eine spannende Geschichte.

Seit 2007 veranstalten Sie die wichtige Veranstaltung der Miss & Mister Hamburg -Wahl. Sie sind außerdem offizieller Partner der Miss Germany Corporation. Wie kam es dazu?

Ich war 2005 mal zu Gast auf einer Miss Hamburg-Wahl und hatte dem damaligen Veranstalter interessante Ideen vermittelt, wie man die Veranstaltung noch aufwerten kann. 2007 hatte ich noch einmal eine zufällige Begegnung mit dem Veranstalter und wurde gefragt, ob ich nicht Lust und Interesse hätte, die Veranstaltung ganz zu machen und zu übernehmen. Da ich die Veranstaltung dann für einen längeren Zeitraum organisieren wollte, einigten wir
uns auf fünf Jahre.

Werden Sie die Veranstaltung auch nach 2012 weiter leiten?

Das hängt ganz davon ab, ob sich Partner finden lassen, die die ganze  Sache langfristig unterstützen wollen. Bisher ist die Unterstützung für die Veranstaltung noch sehr verhalten. Mir fehlt in Hamburg etwas der Lokalpatriotismus. Ich würde mir wünschen, dass in Hamburg noch mehr Menschen verstehen, dass so eine Veranstaltung wichtig sein kann. Ich sehe mich da momentan noch in der Einzelkämpfer-Rolle desjenigen, der immer wieder Überzeugungsarbeit leisten muss.  Und eigentlich ist es doch eine tolle Sache, die weltweit funktioniert. Es ist ein Kulturgut, weil man es in jedem Land kennt und es dadurch zeitlich sowie örtlich unbegrenzt ist. Denn Miss-Wahlen werden überall auf der Welt abgehalten.  Bei der Miss Hamburg-Wahl geht es um die Schönheiten einer Stadt, die ja für die Stadt auch repräsentativ sind. Das sind schöne Menschen, die die Stadt abbilden und repräsentieren. Gerade die Hamburger stehen ja immer in dem Ruf, dass sie besonders stolz auf ihre Stadt sind.

Gibt es eigentlich auch Leute die neidisch auf Sie sind, weil Sie in ihrem Job mit so vielen hübschen Menschen zu tun haben?

Ja klar, aber das sind meist Menschen, die grundsätzlich auf alles neidisch sind. Aber solche Menschen wird es immer geben. Andererseits gibt es aber auch Menschen, die sich freuen an solchen Veranstaltungen oder Projekten teilzunehmen.

Wenn wir von schönen Menschen reden. Haben Sie Ihren Traumtyp oder würden Sie sagen, dass die Schönheit im Auge des Betrachters liegt?

Schönheit hat viele Facetten. Es gibt wirklich so viele Schönheiten, auch innere Schönheiten, dass man nicht immer nach äußeren Schönheiten gehen kann. Natürlich hat jeder seinen Traumtyp, aber ich bin persönlich davon abgekommen, Menschen ausschließlich nach ihrem Aussehen zu beurteilen. Mein Traumtyp muss keine Modelmaße haben, das Gesamtpaket muss stimmen. Ausstrahlung, Charakter, Bildung, Lebenseinstellung und persönliche Reife
zählen.

Bei der Miss Hamburg-Wahl geht’s natürlich wieder nach äußerlichen Kriterien…

Ja, da zählen Ausstrahlung und Attraktivität . Der Körper sollte natürlich fit sein, aber wir wollen bei den Frauen keine Magermodels und lassen auch weibliche Rundungen zu. Der Gesamttyp muss repräsentativ sein und uns begeistern. Miss und Mister Hamburg müssen eine frische und Lebendigkeit haben und kulturelles sowie soziales Interesse mitbringen. Sie müssen Präsenz in dem Raum bringen, den sie betreten.

Wer sitzt diesmal in der Jury?

Für die Jury haben sich angekündigt Heidrun von Gössel – Moderatorin, Schauspielerin, Mehrzad Marashi – Gewinner von DSDS, Claude-Oliver Rudolph – Schauspieler, Yannis Nikolaou – Place Models, Die Bild-Hamburg – vertreten durch Merle Schlesselmann, Hanni Bergesch (Filmproduzentin, Schauspielerin). Als Gäste erwarten wir diesmal außerdem die Schauspielerin Eva Habermann, Hamburgs Drag Queen Olivia Jones sowie Silva Gonzales, Daniel Lopez und viele andere. Auf der Aftershow-Party im Club Ziro (Mittelweg) werden außerdem ca. 400 Gäste erwartet.

Sie haben auch einige sehr interessante Hobbys. Auf Ihrer Website beachcowboy.com, sieht man Sie als „Szinimini“ mit Gitarre und Cowboyhut. Und außerdem sollen Sie früher einmal sehr erfolgreich George Michael imitiert haben und leidenschaftlich gerne musizieren. Wie sind Sie zu diesen Hobbys gekommen?

Ich habe schon immer gerne am Strand, am Lagerfeuer oder an Geburtstagen die Leute unterhalten und  musiziert. Dabei setzte ich gerne mal einen Cowboyhut auf. Irgendwann kam ich auf die Idee: Du bist ein Beach Cowboy! Jetzt
versuch ich das als Wortmarke durchzukriegen. Bachcowboy soll dabei ein Lebensgefühl beschreiben: Individualist. Das man sich auch mal erlaubt, seine eigene Parallelwelt zu kreieren. Und das Lebensgefühl auch anderen Menschen mitzuteilen. Wir haben alle unseren Alltag und müssen alle funktionieren. Aber wir wollen auch mal ganz aus unserer Haut raus. Auf den Namen „Szinimini“ bin ich gekommen, weil es ein lustiger comicähnlicher Name ist.

Früher habe ich auch mal George Michael imitiert, von dem ich immer noch ein großer Fan bin.
Im ersten Deutschen Fernsehen wurde ich damals sogar mal vor 18 Millionen Zuschauern bei Rudi Carrell unter 600 Sängern gecastet. Die Rudi Carrell Show war zu der Zeit die beliebteste Unterhaltungssendung des deutschen Fernsehens mit der höchsten Einschaltquote. Damals gab es allerdings auch nur drei Sender im deutschen Fernsehen. Nachdem ich bei Rudi Carrell George Michael imitiert hatte, bekam ich auch gleich drei Plattenverträge. Leider kam danach nie der große Durchbruch, aber das waren immerhin schöne Anfangserfolge. Die  Leute haben mir früher immer gesagt, „Du klingst wie George Michael“. Dann kamen Freunde und sagten mir, ich soll doch mal George Michael imitieren. Rudi Carrell hatte damals eine der ersten großen Casting-Shows Deutschlands.

Vielen Dank für das Interview!

Interview: JMH-Reporter Schulz

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3 Antworten zu Szina Pätzoldt: „Hamburg braucht mehr Lokalpatrioten“

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