„Ich war noch niemals in New York“ – Interview mit Franziska Becker

Die Berlinerin Franziska Becker ist Sängerin, Schauspielerin und Musicaldarstellerin. Sie spielt die Hauptrolle im nun auslaufenden Musical „Ich war noch niemals in New York“ im TUI Operettenhaus in Hamburg. In drei Jahren besuchten das Musical mit den Liedern von Udo Jürgens fast 1,5 Millionen begeisterte Menschen. Doch am 26.09.2010 steht Franziska Becker das letzte mal als Lisa Wartberg im Operettenhaus auf der Bühne. Wie die Zeit bei „Ich war noch niemals in New York“ für sie war, wie sie Hamburg lieben lernte, wie sie Privatleben und Beruf unter einen Hut bekommt und wo wir sie in Zukunft zu sehen bekommen. All das erzählt die sympathische Darstellerin jungeMedien-Hamburg.de im Interview.

Frau Becker, in knapp zwei Wochen stehen Sie das letzte Mal in Hamburg für „Ich war noch niemals in New York“ auf der Bühne. Werden Sie die Auftritte im TUI-Operettenhaus vermissen?

Franziska Becker: Oh ja, das werde ich – und meine Kollegen gleich dazu!

Es war eine wunderbare Zeit hier in Hamburg! Das Theater, das Stück, die Rolle, meine Kollegen und natürlich die Stadt Hamburg – all das werde ich sehr vermissen!

Aber in unserem Beruf sind wir an Abschiede gewöhnt – eine bestimmte Zeit geht zu ende – aber etwas Neues fängt an! Dennoch: an dieses Abschiednehmen werde ich mich wohl nie gewöhnen… Aber ich nehme viele Freundschaften aus dieser Zeit mit, eine gehörige Portion Erfahrung und meine neu gewonnene Liebe zu Hamburg!

Ein Musical mit den berühmtesten Liedern von Udo Jürgens. Ist es etwas Besonderes, Lieder von einem der erfolgreichsten Komponisten und Interpreten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu singen?

Franziska Becker: Das ist es allerdings! Besonders als Frau, denn die Songs sind ja eher männertauglich… Es ist schon eine Herausforderung diese bekannten Hits von Udo Jürgens neu zu interpretieren, seine eigene Art zu finden, die Songs zu singen! Und natürlich ist es toll, wenn der Meister selbst im Haus ist, und sich an unserem Gesang erfreut!!!

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Seit ca. eineinhalb Jahren spielen Sie nun die Lisa Wartberg. Eine Fernsehmoderatorin, die sich total ihrer Karriere verschrieben hat und dabei immer mehr ihre Mutter vernachlässigt. Sehen Sie Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen und Ihrer Rolle?

Franziska Becker: Sicherlich muss man als Schauspielerin auch eine gewisse Zielstrebigkeit haben und wissen, wohin man will. Außerdem eine gute Portion Selbstbewusstsein, einen gesunden Ehrgeiz und ne’ Menge positive Energie! Ich kann aber nicht sagen, dass ich mich total meiner Karriere verschreibe – dazu sind mir mein Privatleben, meine Freunde, meine Familie viel zu wichtig! Ich empfinde mein Privatleben als lebensnotwendigen Ausgleich zum Beruf! Und zum Thema Familie und Eltern: die fast wöchentlichen Treffen mit meiner Mutter und meinem Vater sind mir heilig!

Bis zum Februar 2009 wurde Lisa Wartberg von Kerstin Marie Mäkelburg gespielt. Sie lösten sie ab. War es für sie eine größere Herausforderung eine Rolle zu spielen, die bereits von einer anderen Schauspielerin verkörpert wurde?

Franziska Becker: So etwas passiert ja häufiger, dass man Rollen übernimmt! Und mit Kerstin habe ich natürlich eine tolle Vorgängerin, die die Rolle sicherlich sehr geprägt hat. Für mich ist es eine Herausforderung, mir dann die Rolle zu eigen zu machen! Aber ich hatte bei der Einstudierung genügend Freiraum dazu – insofern war es eine sehr individuelle Arbeit!

Das TUI Operettenhaus steht ja in Hamburgs Herzstück, auf der Reeperbahn im Viertel „St. Pauli“. Ein Stadtteil, der sehr berühmt ist, aber auch im ständigen Umbruch steht. Wie haben Sie als Berlinerin das Leben auf St. Pauli empfunden und wie ist es, besonders im so genannten „Rotlichtviertel“, zu spielen?

Franziska Becker: Ich find’ es super, nervtötend, spannend, klaustrophobisch, inspirierend, ekelig, laut, betrunken, lustig, verrückt, touristisch, unterhaltend, kollegial, voll, dreckig und kreativ! Noch Fragen?

Die Liste der bereits von Ihnen gespielten Rollen ist sehr lang. Können Sie eine Rolle aus einem Stück nennen, die Ihnen am meisten lag und die Ihnen am meisten Spaß gebracht hat?

Franziska Becker: Ich liebe die Stücke von Anton Tschechow – in seinem Stück „Der Kirschgarten“ habe ich einmal die Rolle der Varja gespielt. Das war eine tolle Arbeit.

Ebenso die Arsinoé aus Molière’s „Menschenfeind“. Die Arbeit an „Love Streams“ nach einem Film von John Cassavetes war total aufregend und neu für mich, da ich dort auch als Co-Autorin tätig war. Ich könnte hier noch so viele Rollen aufzählen – letztendlich ist es immer wichtig, mit wem man arbeitet, ob die Chemie stimmt und inwiefern man sich gegenseitig inspiriert. Uraufführungen zum Beispiel sind einfach eine echte Herausforderung – denn man kreiert und formt dann wirklich einen ganz neuen Charakter.

Als Schauspielerin lebt man in gewisser Weise ein Nomadenleben. Sie reisen viel umher. Spielten mal in Stuttgart, lernten in New York, sind momentan in Hamburg. Schaffen Sie es trotzdem, dass Freunde und Familie nicht zu kurz kommen?

Franziska Becker: Ich habe ja eben schon gesagt, wie wichtig mir mein Privatleben außerhalb des Theaters ist – ich versuche wirklich meine Freundschaften und den Kontakt zur Familie zu pflegen. Dazu gehört aber auch ein gewisses Verständnis ihrerseits, wenn ich mal aufgrund von Proben oder den vielen Reisen den Kontakt etwas vernachlässige – aber ich kann mich glücklich schätzen: meine Freunde und die Familie sind mir wirklich über all die Jahre treu geblieben und kommen auch – egal, wo ich spiele, – zu meinen Auftritten! Da kann man schon dankbar sein!

Welche Projekte stehen bei Ihnen als nächstes an?

Franziska Becker: Im Frühjahr gehe ich für eines meiner Lieblingsmusicals an das Salzburger Theater: dort werde ich die weibliche Hauptrolle in KISS ME KATE übernehmen! Dieser Vertrag ist bereits seit einer Weile unterschrieben. Alle weiteren Projekte sind noch nicht spruchreif… Aber über meine aktuellen Arbeiten kann man sich stets auf meiner Homepage www.franziskabecker.com informieren.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg weiterhin!

Interview: JMH-Reporterin Kunkel

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