Die Welt blickt auf Südafrika


©Foto: Doug Laurent/ Teile des alten und das neue große Stadion in Kapstadt

Werden die Stadien rechtzeitig fertiggestellt? Wird es genügend Unterkünfte geben? Wie steht es um ein zuverlässiges Transportsystem? Müssen sich Besucher vor erhöhter Kriminalität fürchten? Mit dem Anpfiff zur WM am 11. Juni 2010 in Soccer City (Johannesburg) sollte sich die Skepsis der internationalen Presse etwas gelegt haben.

Pünktlich waren alle zehn Stadien fertig gestellt, teils modernisiert, teils neu errichtet. Die FIFA hat die Regierung dazu gebracht, erhöhte Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Um die Sicherheit während der WM zu stärken, kam es zur Einrichtung von 56 WM-Sondergerichten. Neben der Einstellung von 41 000 Polizisten zur Bewachung von Stadien, Fan Meilen, Hotels und Sehenswürdigkeiten, wurde auch an Helikoptern und Wasserwerfern aufgestockt. Besonders im Bereich Logistik hat Südafrika einen großen Fortschritt erreicht. Mit dem „Bus Rapid Transit system“ (BRT) ist es der Regierung gelungen, mit einem Schnellzug Johannesburg und Kapstadt sowie deren Vororte und Flughäfen ohne Stau frei miteinander zu verbinden. Taryn Grant, Jura Studentin aus Kapstadt sagt hierzu: „Ich bin sehr überrascht, wie gut das neue Transportsystem zu den Stadien funktioniert. Es gab bisher noch keine großen Verspätungen oder Störungen.“

Das populärste innerstädtische Nahverkehrsmittel in Südafrika ist jedoch das „Taxi“. Darunter versteht man  hierzulande allerdings keine Mercedes-Benz-Limousine, sondern einen VW-Kleinbus. Am Straßenrand wartend, zeigt man mit Handzeichen sein Fahrtziel an, bis das Taxi mit dem gleichen Fahrtziel zum Halt kommt. Dann geht es hinein in den überfüllten Kleinbus, dass Geld wird im Laufe der Fahrt zum Fahrer durchgereicht. Ein echtes afrikanisches Abenteuer, so eine`Taxi-Fahrt`! Im Zuge des groß angelegten „Taxi-Rekapitalisierungsplans“ wurden diese Minibusse durch neuere Modelle ausgetauscht.

Hoffen und Warten
Ein weiterer positiver Effekt ist die Stimmung in den Großstädten: lächelnde Gesichter, Vuvuzela-Tröten sind in aller Ohren und Bafana-Bafana-Shirts machen die Runde. Die Weltmeisterschaft vereint die unterschiedlichen Kulturen Südafrikas – zumindest zeitweise. Die Einkaufsstraßen pulsieren durch die Vielzahl von Menschen unterschiedlichster Couleur, die sich durch patrouillierende Polizisten scheinbar sicher fühlen, denn es gilt nach wie vor sich vor Taschendieben zu schützen.

„Die Stimmung in Kapstadt sein einfach großartig“, so Nonkululeku Godana (Journalistin aus Johannesburg). Doch was spielt sich unter der Oberfläche ab? Wird die Euphorie in Südafrika anhalten? Gibt es Hoffnung auf ein Wirtschaftswunder? Die Prophezeiungen der Experten wirken eher ernüchternd. Tatsächlich erhält das Gastgeberland durch das Sportereignis eine kleine Sonderkonjunktur. Im Vorfeld sind es vor allem Bau- und Infrastrukturmaßnahmen, während des Ereignisses sind es die WM-Touristen, die der Wirtschaft des Gastgeberlandes Impulse bringen.

Die Armut bleibt
Konjunkturelle Wunder sind allerdings nicht zu erwarten. „Die Erfahrung zeigt, dass nur geringe volkswirtschaftliche Effekte messbar sind“, so Volkswirt Dr. Jörn Quitzau von der Berenberg Bank. Die Berenberg Bank hat zusammen mit dem Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut HWWI soeben die ökonomische Situation und die Entwicklungsmöglichkeiten des Kontinents in der Studie „Strategie 2030 – Afrika“ untersucht. Wird dieses riesige Ereignis also mehr gesellschaftliche, als wirtschaftliche Fortschritte mit sich bringen? Im Juli 2009 kam es in Südafrika vermehrt zu Protesten der Unterschicht. Die Bewohner der Townships forderten Arbeitsplätze, menschenwürdige Wohnräume, in denen Strom- und Wasserversorgung garantiert sind sowie die Demokratisierung der Zustelldienste.

Seit dem Ende der Apartheid 1994, lebt immer noch eine Vielzahl der schwarzen Bevölkerung in Siedlungen an Stadträndern. Die ständig wachsende Einwohnerzahl in den Townships ist heute noch eines der größten Probleme des Landes. Nach dem Ende der Apartheid änderten sich die Zustände zwar nur schleppend, doch es gibt allmählich Verbesserungen. So werden beispielsweise die oft zu dicht nebeneinander gebauten Hütten verlegt, um ein effizienteres Straßen- und somit auch Versorgungsnetz aufbauen zu können. Der Protest richtete sich gegen die Regierung, die die öffentlichen Fördermittel zur WM in keinster Weise zur Verbesserung der sozialen Strukturen in den Armenvierteln nutze. War es wirklich nötig, einen neuen Flughafen in Durban zu errichten. Hätte es nicht gereicht, das eine oder andere Stadion zu renovieren, statt ein komplett neues zu errichten? Die einzige Reaktion der Regierung war die Befürchtung, dass die Proteste der Slumbewohner den reibungslosen Ablauf des Turniers schaden könnten.

Die Welt blickt auf Südafrika, ein Land mit einer bewegenden Geschichte. Die bisher erfolgreiche Fußball-WM 2010 könnte ein Sprungbrett für das Image dieses Landes sein. Eine Chance sich als Globalplayer zu etablieren.

(cdp)

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4 Antworten zu Die Welt blickt auf Südafrika

  1. 2010sdafrika sagt:

    Die deutsche Auswahl unter Jogi Löw kann auf jeden Fall auf sich stolz sein! Ein Sieg um Platz 3 ist ebenso respektabel, wie ein Einzug ins Finale. Für sämtliche Infos zur WM und Südafrika siehe das Südafrika-Portal: http://2010sdafrika.wordpress.com/

  2. nachrichten sagt:

    Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.

    Gruss
    Andres

  3. peter sagt:

    seit wan hat die welt augen 2029 sterben wir alle wegen dem metheor apofis gibt mal im internet ein (2012 und planet-Xdeutsch) das ist war und interesanter!

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