Krieger. Vater. König: Der Weg eines Kämpfers – Interview mit Ismail Cetinkaya


©Fotos: Privatarchiv / Ismail Cetinkaya

Ismail Cetinkaya ist Deutschtürke und wurde vor 28 Jahren in Hamburg geboren. Sein sportliches Interesse entdeckte er schon in jungen Jahren. Ismail hat zu Beginn seiner Karriere mit KungFu angefangen, später dann mit Judo sowie JKD. Ismail ist in Hamburg MMA-Lizenztrainer und unterrichtet im Warriors Fight Club sowie in der Nordschmiede Hamburg. Im Oktober lernte er zufällig den jungen Regisseur Julian Reich kennen, der gerade an einer Dokumentation über Vollkontakt- Kampfsportarten arbeitete. Der Dokumentations-Film wird voraussichtlich Anfang oder Mitte des nächsten Jahres fertig sein und behandelt das Thema Migrations-Kultur, Gewalt, Sport und das Geschäft mit dem Vollkontakt-Kampfsport.  Alle drei Protagonisten der Dokumentation sind deutsche-türkischer Herkunft. Zusammen repräsentieren sie drei grundlegenden Figuren des Kampfsports:  Der MMA-Kämpfer Ismail Cetinkaya  (Krieger),  der Kickbox-Trainer Bülent Calikiran (Vater) und Box-Promoter Ahmet Öner (König). jungeMedien-Hamburg.de traf sich mit Ismail zum Interview, um mehr über das spannende Projekt zu erfahren.

©Fotos: Privatarchiv / Ismail Cetinkaya im Kampf (Fightclub Berlin)

Ismail, wie ist es eigentlich zu dem Kontakt zwischen dir und dem Regisseur Julian Reich gekommen?

Nach einem Kampf den ich im Oktober 2008 hatte (Fightclub Berlin, gegen Rafal Moks)  kam er plötzlich backstage zu mir und hat mir gratuliert. Ein paar Wochen später hat er sich bei meinem Trainer Frank Burczinsky gemeldet. Mein Trainer hat mich dann angerufen und mir erzählt, dass sich der Filmemacher Julian Reich mit  mir treffen möchte. So kam es dann zu unserem ersten Treffen.

Ich habe ihn dann auch gefragt, wie er gerade auf mich gekommen ist und er sagte, dass er sehr von meiner Ausstrahlung im Ring während es Kampfes fasziniert war. Er erzählte mir, dass er das Gefühl hatte, dass ich eine ungeheure Energie ausstrahle. Das Ganze hätte ihn an die Energiebälle aus der Trickserie von „Dragonball“ erinnert. Er war eigentlich nur dort, um sich über die Sportart MMA (Mixed Martial Arts; Freefight)  zu erkundigen. Seiner Meinung nach kann man nicht normal sein, wenn man diesen Sport ausführt.

Hat er dich darauf angesprochen, dass er eine Dokumentation plant?

Zuerst hat mich das Thema garnicht sonderlich interessiert. Darüber war er ein wenig verwundert. Ich sagte ihm, dass ich sicherlich nicht der Typ bin, nach dem er für seine Dokumentation sucht. Aber er war sich sicher, mit mir die richtige Person für sein Projekt gefunden zu haben. Im Mittelpunkt meines Lebens stehen mein Training und meine Kämpfe und nicht die Vorstellung, irgendwann mal auf der Kinoleinwand zu sein. Das ist eher was für Schauspieler wie George Clooney.

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Hat er dir auch erzählt, warum er gerade eine Dokumentation über einen MMA -Kämpfer machen will?

Ja, er hat gesagt, er will damit die Vorurteile über den MMA-Sport abbauen und über den Sport ein differenzierteres Bild vermitteln. Er will nicht nur den MMA-Sport zeigen, sondern auch den Menschen dahinter. Um die bestehenden Vorurteile in Europa und Deutschland zu überwinden, muss man zeigen, wie ein Kämpfer überhaupt lebt. Den Kämpfer und welchen Weg er geht,  wie er lebt, was er denkt, was er tut, wozu er fähig ist und was er alles durchmachen muss, um dahin zu kommen, sein Ziel als vollendeter MMA-Kämpfer zu erreichen.

Welches Bild wurde denn bisher vom MMA-Kämpfer und MMA-Sport vermittelt?

Aggressive Typen im Ring, die sich gegenseitig fast zu Tode prügeln und ihre Freude daran haben. die wenigsten wissen aber, was hinter dem Sport wirklich dahintersteckt. Das ist das Ziel von Julian Reich: Er will den Leuten jetzt zeigen, was wirklich dahinter steckt, was für ein Mensch der Kämpfer ist und wie er wirklich lebt. Der Zuschauer soll am Ende wissen, was im Kopf eines solchen Kämpfers vor sich geht.

Du bist MMA-Kämpfer: Was geht im Kopf eines MMA-Kämpfers vor?

Ein Typ, der so etwas wie MMA macht, ist im eigentlichen Sinne nicht normal. Er sucht nach extremen Herausforderungen. Vor allem, wenn er es nicht wegen Geld macht, sondern um seine persönlichen Ideale – wie zB die sportliche Leidenschaft – zu bedienen. Nicht du suchst den Sport aus, sondern der Sport sucht dich aus. Das ist fast wie ein Virus. Als MMA-Kämpfer wird man nicht geboren, sondern vom Leben dazu erwählt. Der Sport will dich, er nimmt dich und er macht dich zu dem, was du dann bist.

Wir haben jetzt viel über Kämpfen, Krieger und harte Männer geredet. Welche Rolle spielen die Frauen in deinem Leben?

Frauenspielen in meinem Leben eigentlich eine große Rolle. Durch meine Arbeit und meinen Sport komme ich sehr viel rum und dadurch lernt man sich automatisch kennen. Frauen sind meiner Meinung nach etwas Schönes, aber man muss auch die Zeit für sie haben. Mein Sport ist sehr zeitintensiv und kommt bei mir an erster Stelle. Ich weiß genau, wenn die Frau anfängt, in meinem Leben eine größere Rolle zu spielen als mein Sport, dann verliere ich mich selbst. Und wenn ich mich selbst verliere, dann verliere ich die Frau. Ich mag Frauen aber generell sehr gerne und habe bisher immer Respekt vor den Frauen gehabt, mit denen ich zusammen war.

Meine Schüler kommen auch oft mit ihren Beziehungsproblemen zu mir und viele von meinen Schülern fragen mich auch, ob ich schon mal richtig verliebt war.  Sie fragen mich nach Tipps und nach meinen persönlichen Erfahrungen – und das, obwohl ich nicht gerade wie ein Gigolo aussehe. Ich finde für eine Beziehung wichtig, wenn Mann und Frau sich ergänzen: wie bei zwei Apfelhälften, wo die eine mit einem Plus und die andere mit einem Minus gekennzeichnet ist. Die Schwächen des einen sollten durch die stärken des anderen ausgeglichen werden. Dann schmeckt die Liebe auch gut, wie ein saftiger Apfel.

Die Dokumentation von Julian Reich sollte ursprünglich den Weg von drei Personen durch symbolische Figuren porträtieren: Der Krieger, der Vater und der König. Du stellst den Krieger dar und der Hamburger Box-Promoter Ahmet Öner den König…

Die Figur des Königs wird von Ahmet Öner dargestellt und die des Vaters von Trainer Bülent Calikiran. Das Konzept von Julian Reich war zum damaligen Zeitpunkt aber noch in der Entwicklungsphase, er schrieb noch an dem fertigen Drehbuch. Nachdem er die Aufnahmen durchgesehen und den Filmproduzenten gezeigt hatte, wurde der Entschluss gefasst, die Rolle des Kriegers noch mehr als ursprünglich geplant in den Fokus zu rücken. Wahrscheinlich, weil die spektakulären Kampfszenen des MMA eine stärkere Bühnenpräsenz haben. Das ganze Projekt geht jetzt in die Richtung: Der Weg eines Kämpfers.

Wo sind die Filmaufnahmen gemacht worden, die bereits in den letzten zwei Jahren für die Dokumentation entstanden sind?

In Hamburg, in Berlin, beim Training, beim Kampf, bei mir zu Hause, beim Essen. Auch mein Privatleben und meine Arbeit als Türsteher wurden gefilmt: denn als ich an der Tür des Privileg im Hyatt Hotel in der Mönckebergstraße gearbeitet habe, wurde ebenfalls gefilmt. Es war schon sehr gewöhnungsbedürftig, immer einen mit der Kamera um mich herum zu haben, aber Julian ist ein  richtig netter Typ, deswegen habe ich ihn die ganze Zeit lang um mich herum ausgehalten. Für ihn war es aber auch nicht einfach, weil wir drei sehr komplexe Persönlichkeiten sind. Es gehört viel Vertrauen dazu, jemanden so tief in die eigenen Intimsphäre mit der Filmkamera reinzulassen. Den Trailer kann man sich jetzt schon auf YouTube ansehen.

Wann soll der fertige Film zu sehen sein?

Im Juni fangen die richtigen Dreharbeiten an. Der Film wird dann vielleicht Anfang oder Mitte des nächsten Jahres fertig sein. Der Soundtrack zum Film wird von einem bekannten Künstler sein.

Vielen Dank für das Interview!

Interview: JMH-Reporter Schulz

weitere Informationen:
MMA Hamburg – Lizenztrainer Ismail Cetinkaya

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Eine Antwort zu Krieger. Vater. König: Der Weg eines Kämpfers – Interview mit Ismail Cetinkaya

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