Die tibetischen Weisheiten des 12. Gyalwang Drukpa

Tibetische Weisheiten vom Dach der Welt


©Foto: GNU wikipedia

Seine Heiligkeit der 12. Gyalwang Drukpa, war am 5. und 6.01.2010 zum ersten Mal zu Besuch bei uns in der Hansestadt. Dort wurde er von Bürgermeister Ole von Beust (CDU) im Rathaus empfangen und trug sich anschließend ins Goldene Buch ein. Der Gyalwang Drukpa ist das spirituelle Oberhaupt des tibetischen Drukpa-Ordens. Der Drukpa-Orden gehört zu einer der Schulen des tibetischen Buddhismus und hat weltweit circa vier Millionen Anhänger.

©Fotos:Drukpa-Hamburg.de - S.H. der 12. Gyalwang Drukpa

Am Dienstagabend wurde für ihn der rote Teppich vorm Curio-Haus ausgerollt. Zu Ehren seiner Heiligkeit wurden auch Blumenblüten vor seine Füße gestreut. Im Erdgeschoss des Curio-Hauses wurden tibetische Skulpturen und Tankas aus einer Privatsammlung ausgestellt. Die Kunstwerke beeindruckten besonders durch die vielen kleinen Details, wie ausgearbeitete Tier- und Fabelwesendarstellungen auf den Gewändern. Neben dem Ausstellungsraum wurde noch ein kleiner Meditationsraum eingerichtet. Bei der Abendveranstaltung philosophierte seine Heiligkeit über die Frage „Ist Buddhismus eine Religion?“.  Zu erst wollte er anmerken, dass die Menschen im Himalaja den Buddhismus sehr ernst nehmen. Seiner Meinung nach, wären sie enttäuscht, wenn man ihren Glauben nicht als Religion verstehen würde. Der Vortrag war deutlich an ein christliches Publikum gerichtet. Seine Heiligkeit sagte scherzhaft : „In der buddhistischen Weltanschauung kann es auch einen Gott geben. Warum nicht?“ Er gestand auch mehrmals die Bibel gelesen zu haben. Dabei seien ihm auch Parallelen zwischen den Lehren Buddhas und denen von Jesus Christus aufgefallen, z.B. das Prinzip der Nächstenliebe. Allerdings gebe es auch Unterschiede: Er persönlich halte es für unklug, einem bösartigen und mächtigem Feind die andere Wange hinzuhalten. Dies könnte fatale Folgen für die eigene Existenz haben. Es sei deshalb ratsamer, seinen Feinden gegenüber die Muskeln anzuspannen, um Stärke zu demonstrieren. Im Herzen sollte man allerdings – auch seinem Feind gegenüber – das Prinzip der Nächstenliebe tragen.

Ein bedeutender Unterschied zu anderen Religionen, ist die Vorstellung von einem höheren Lenker, der alles auf der Welt lenkt. Der Gyalwang Drukpa sagte dazu: „Wenn im Christentum einer Glück hat, dann sagt man dazu, Gott hat es gut mit ihm gemeint. Im Buddhismus sagen wir dazu, dass er gutes Karma hat.“ Das Karma resultiert aus der eigenen Handlung. Ein weiterer Punkt in dem sich der Buddhismus vom Christentum unterscheide, ist die Vorstellung von Schuld und Buße bei den Christen. Dies ist dem Buddhisten fremd. Er kennt nur das Karma. Selbst Handlungen die schlechtes Karma verursachen, sind wichtige Erfahrungen auf dem Weg zur Erleuchtung. Sie erfüllen demnach auch einen guten Zweck und führen nicht wie im Christentum zur ewigen Verdammnis. Ein Buddhist sollte niemandem sein Weltbild aufzwingen. Sondern auch Meinungen akzeptieren, die sich von seinen eigenen vollkommen unterscheiden.

Wahrnehmung sei immer relativ und Wertungen eine Form von Anhaftung. Im Anschluss an seine Belehrungen wollte sich seine Heiligkeit den Fragen der Zuhörer stellen, wie das bei tibetischen Lamas so üblich ist. Die Fragen dienen als Test des Lehrers, ob er auch genau wisse, wovon er spräche. Leider war das Publikum zu ehrfürchtig oder mit der Aufforderung überfordert, so dass nur eine einzige Frage aus dem Publikum gestellt wurde. Dies enttäuschte seine Heiligkeit ein wenig, da interessante Fragen auch immer ein Wachstum für ihn bedeuten. Unter großem Applaus verließ er in Begleitung seiner Mönche den Saal. Am Donnerstag reiste er dann weiter nach München.

(sej)

weitere Informationen: www.drukpa-hamburg.org

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