Schweinegrippe – H1N1: WAI – Wissenschaftsforum Aviäre Influenza hält Panikmache für überzogen

Interview mit Werner Hupperich


©behind-media – Bei Pandemie-Stufe 6 sollte  die Bevölkerung  Schutzmasken tragen

Die Meldungen zur Schweinegrippe überschlagen sich: „Inzwischen hat das „Wissenschaftsforum Aviäre Influenza“ (WAI) bekannt gegeben, daß die ursprüngliche Schreckensmeldung, es handle sich hierbei um eine neue Schweine-Mensch-Virenmutante, eine Falschmeldung war: Recherchen des WAI haben ergeben (siehe auch www.WAI.netzwerk-phoenix.net), daß es sich eben nicht um ein neues gefährliches Virus handelt, das aus einem Schweine- und einem Menschen-Influenzavirus mutiert ist.“ Quelle: OTS.at und auch die WELT schreibt: „Die Entstehungsgeschichte des Virus scheint aber doch eine andere zu sein: Wie das „Wissenschaftsforum Aviäre Influenza“ mitteilt und wie das amerikanische Bundesseuchenamt „Centres for Disease Control and Prevention“ (CDC) bestätigt, handelt es sich aber offenbar um ein reines „Schweinevirus.“ Quelle: Welt.de

Info: Werner Hupperich ist im Vorstand des WAI - Wissenschaftsforum Aviäre Influenza und verantwortlicher Redakteur des WAI-Netzwerkes auf http://www.wai.netzwerk-phoenix.net

Herr Hupperich, wieso wird die neue Krankheit eigentlich Schweinegrippe genannt, obwohl bis vor kurzem noch gar kein Schwein an dem Virus erkrankt war?

Ob konkret an diesem Virus noch kein Schwein erkrankt war, ist höchst fraglich. Die Behauptung, es sei bislang noch kein Schwein daran erkrankt, halte ich für sehr leichtfertig. Wenn etwas bislang nicht gefunden wurde, so kann das auch daran liegen, dass man bislang nicht (oder nicht im erforderlichen Maße) danach suchte. Veröffentlichungen des Friedrich-Loeffler-Institutes ist zum Beispiel zu entnehmen, dass bei 92% der deutschen Schweine routinemäßig Antikörper verschiedener Influenzaerreger gefunden werden. Das bedeutet, dass diese Schweine entweder eine Infektion überstanden haben, oder aber mittels Impfstoffen gegen diese Viren immunisiert wurden. Schweinebestände in Amerika und speziell in Mexiko werden nur selten auf Influenzaviren untersucht, obwohl bekannt ist, dass diese Viren weit verbreitet sind. Auch in Bezug auf die USA erwähnt das Friedrich-Loeffler-Institut, dass in einigen Regionen der USA mehr als 50% der Hausschweine Antikörper allein gegen Grippeviren vom Subtyp H1N1 tragen.

Müssen wir bald alle Rindfleisch essen, weil uns eine Massenschlachtung von Schweinen droht?

Das wäre eine überaus dramatische Entwicklung, welche bei Zugrundelegung gesunden Menschenverstandes wohl hoffentlich nie eintreten wird. Allerdings scheint eben dieser gesunde Menschenverstand derzeit nicht in und bei allen Institutionen besonders dominant. Aber ernsthaft gesagt: Das ist im Moment kaum zu erwarten und nach derzeitigem Kenntnisstand auch zukünftig nicht. Die zum Beispiel angeblich von einem aus Mexiko heimgekehrten kanadischen Bauern infizierten Schweine haben – glaubt man den Medienberichten – die Infektion allesamt gut überstanden. Wobei auch dort noch einiges im Unklaren liegt. Etwa die Frage, ob sich der Bauer nicht auch an seinen Schweinen infiziert haben könnte. Das sollte man zumindest wissenschaftlich plausibel ausschließen.

Wie schätzen Sie die Gefahr durch das neue Virus ein?

Nicht höher als bei jeder „normalen“ Grippe auch. Wie das WAI unlängst recherchierte, war bereits die klimatische Situation in Mexiko City eine besondere. Den Ruf eines „Luftkurortes“ hatte die Stadt noch nie, aber aktuell kam eine extrem niedrige Luftfeuchtigkeit hinzu, welche Atemwegserkrankungen begünstigen kann. Letztendlich musste denn auch seitens öffentlicher Stellen kleinlaut eingeräumt werden, dass die Sterblichkeit der „Schweinegrippe-Infizierten“ statistisch nicht höher liegt als jene der ganz gewöhnlichen, alljährlich an Grippe erkrankten.

Gibt es eine Verbindung zu den Viren Ebola und HIV, für die bisher noch kein Impfstoff entwickelt wurde?

Da sehe ich nun wirklich keinerlei Verbindungen. Im Gegenteil: Während die von Ihnen genannten Erreger in der Tat für Patienten fatale Folgen haben, zeigt der Verlauf einer Infektion mit „Schweinegrippe“ – so man die europäischen Fälle nimmt – einen wenig dramatischen Verlauf.

Wie hoch schätzen Sie das Risiko ein, dass das neue Virus zu einem aggressiven Erreger mutieren könnte und gegen bestehende Virenmittel wie Tamiflu und Relenza resistent wird?

Nun, zufällig nähern sich derzeit gerade die wegen der „Vogelgrippe“ bevorrateten Bestände an Neuraminidasehemmern wie Tamiflu (Wirkstoff: Oseltamivir) dem Ende ihrer Haltbarkeit. Zur Wirksamkeit selbst wurden in Bezug auf H5N1 („Vogelgrippe“) bereits viele kritische Stellungnahmen – auch von Seiten der Ärzteschaft – veröffentlicht. Empfohlen sei etwa „Der Arzneimittelbrief“ (http://www.arzneimittelbrief.de/_anfang/Ueber_amb.aspx), insbesondere sei empfohlen der Artikel „Oseltamivir wirkungslos bei aktueller Grippewelle in den USA“ aus Ausgabe 04.2009 (kann als „Kennenlern-Artikel“ kostenlos angefordert werden), und auch insbesondere „Medikamentöse Behandlung von Influenza-Erkrankungen – Mythen und Fakten“ aus 03.2006.

Die Annahme, dass Oseltamivir im Fall der aktuellen „Schweinegrippe“ wirksam ist, beruht im Übrigen bislang rein auf theoretische Überlegungen im Hinblick auf eine bestimmte Spaltstelle der Influenzaviren. Ob sich diese Überlegungen in der Praxis bestätigen, bleibt hingegen abzuwarten.

Welche Bedrohung besteht insbesondere für Viehzüchter und Landbetriebe?

Nun, dass auch Schweine die Grippe bekommen können, ist wie gesagt bekannt. In aller Regel gibt das auch keinen besonderen Anlass zur Sorge. Problematisch wird das erst dann, wenn die Haltungsbedingungen – hunderte oder gar tausende von Tieren unter miserablen hygienischen Bedingungen auf engstem Raum zusammengepfercht – nicht in Ordnung sind. Die Entstehung hoch pathogener (= krankmachender / tödlicher) Viren aus niedrig pathogenen (= milder Krankheitsverlauf) ist wissenschaftlich bestens dokumentiert. Unter solchen (unnatürlichen) Bedingungen zirkulieren die Viren unter den Tieren derart schnell, dass tatsächlich gefährliche ,“neue“ Erreger entstehen können. Leider wird aber dieser Aspekt, ich vermute: mit Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen, gar nicht thematisiert.

Fast scheint es, um einen anschaulichen Vergleich zu bemühen, dass man, statt sich zu bemühen überführte Brandstifter dingfest zu machen, lieber Unsummen in die Aufrüstung der Feuerwehr investiert. Anders gesagt: aus wenig erfindlichen Gründen scheint es gar nicht so sehr um die Vermeidung von Seuchen zu gehen. Ein Stück weit spielt dabei vielleicht sogar auch eine Rolle, dass sich mancher „Seuchenbekämpfer“ durch allzu konsequente Ursachenbeseitigung um Lohn und Joghurt (präziser: Forschungsgelder und Daseinsberechtigung) gebracht sähe. Auf ein weiteres Faktum einzugehen, nämlich, dass auch Unglücke und Katastrophen stets auch ihre Profiteure haben, ist ein anderes Themenfeld, auf welches einzugehen zwar wichtig und richtig wäre, was aber den Rahmen an dieser Stelle sicherlich sprengen würde.

Wieso halten Sie die Panikmache vieler Medien für zu übertrieben?

Der Begriff „Panikmache“ spricht im Grunde bereits für sich selbst, und trägt die Antwort ein Stück weit in sich. Auf drohende Gefahren hinzuweisen und über aktuelle Geschehen zu informieren, ist zweifellos elementare Aufgabe der Presse. Was aber derzeit vielfach im Zusammenhang mit der Schweinegrippe den Zuschauern, Zuhörern und Lesern zugemutet wird, ähnelt mehr hysterischer (Markt-) Schreierei, denn einer sachlichen Risikokommunikation. Den Hinweis, dass man eine wider besserem Wissen verbreitete Falschaussage – die Fakten um die Schweinegrippe lassen sich durchaus mit geringem Aufwand (etwa auf den Seiten der CDC) recherchieren – im Volksmund auch schlicht als „Lüge“ bezeichnet, verdient dabei kaum besondere Erwähnung. Dass dennoch offenbar vorsätzlich das Zerrbild eines menschheitsbedrohenden Seuchenzugs krampfhaft weiterverbreitet wird – dafür werden die Betreiber solcher Propaganda sicherlich ihre Gründe haben. Wenn auch zweifelsfrei keine guten.

Also abwarten und Tee trinken?

Naja, wenn ich eine Empfehlung abgeben sollte, dann: Beobachten, abwarten und Tee trinken. Es schadet nie, das Virus in Bezug auf dessen Eigenschaften genau im Auge zu behalten. Zuvorderst sollte man allerdings auch die „Seuchenbekämpfer“ nicht aus den Augen lassen, etwa im Hinblick auf eine zumindest denkbare Instrumentalisierung des Erregers im Hinblick auf Einschränkung der Bürgerrechte, Informationsfreiheit und Datenschutz.

Interview: JMH-Reporter Schulz
Das Interview gab Werner Hupperich
weitere Informationen:
WAI – Wissenschaftsforum Aviäre Influenza

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26 Antworten zu Schweinegrippe – H1N1: WAI – Wissenschaftsforum Aviäre Influenza hält Panikmache für überzogen

  1. Influenza primär durch Trinkwasser ausgelöst

    Unstreitig verbreitet sich die Schweinegrippe sekundär von Mensch zu Mensch. Schweinegrippe ist weit verbreitet. Schweinebestände sind, wie in Fachkreisen bekannt ist, jahreszeitlich unterschiedlich mit 30% (Sommer) bis 80% (Winter) mit Influenza durchseucht, auch in Deutschland.

    Aber: 10.000 bis 20.000 Influenza-Tote je winterliche Influenza-Saison sind gelogen. Nach den Zahlen des Statistischen Bundesamtes gibt es in Deutschland so gut wie keine labordiagnostisch nachgewiesenen Grippetoten! Akquisition für Impfstoffe und Tamiflu! Der Schnelltest kostet rund 15 Euro und kann in jeder Arztpraxis innerhalb von 20 Minuten durchgeführt werden.

    Die Influenza kann durch kaltes Trinkwasser primär ausgelöst werden. Tiere verschmutzen durch Fäkalien und mit ihren Ausscheidungen aus Nase und Maul bzw. Schnabel das Wasser. Oberflächen-, Quell- und Grundwasser sind mit Viren belastet. Viren bleiben im kalten Wasser lange ansteckend. Deshalb tritt die Influenza bei uns überwiegend im Winter auf. Die sehr kleinen Viren werden im herkömmlichen Wasserwerk nur unvollständig gefiltert. Chlorung z.B. bringt wenig, weil Viren im Wasser verklumpt vorkommen und deshalb von den herkömmlichen Desinfektionsverfahren nicht vollständig erreicht werden. Alle Menschen haben Kontakt zum Trinkwasser. Trinkwasser muss frei von Viren sein.

    soddemann-aachen@t-online.de
    http://sites.google.com/site/trinkwasservirenalarm/Trinkwasser-Viren

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  23. Quised sagt:

    Hallo zusammen,

    iIch suche nach Informationen zum Thema Augen lasern.
    Ich bin stark weitsichtig und würde mir gerne die Augen operieren lassen, um endlich
    ohne Brille leben zu können. Mich nervt die Brille wahnsinnig beim Sport oder beim abends weggehen.
    Leider vertrage ich überhaupt keine Kontaktlinsen… hab schon alles versucht
    Ich suche nach unabhängigen Informationen zu dem Thema. Also keine Seite einer Augenklinik oder eines Laserzentrums, die mir nur ihre Dienste verkaufen wollen…

    Wer kenn eine Seite für mich?

    Vielen Dank

    PS: Sorry falls das nicht das richtige Forum für diese Frage ist.

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