„Faro vs. Marco Carini“: Die Antwort auf MOPO und TAZ – Interview


©www.myspace.com/hamburgunefesi – Rapper “Faro” in Hamburg-Neugraben

Mario Kroß alias “Faro” (30) ist 1978 in Hamburg als Sohn einer türkischen Mutter und eines zum Islam konvertierten deutschen Vaters geboren.  Sein Vater starb als er 5 Jahre alt war.
„Wir gingen dann zur Familie meiner Mutter nach Aydin in die Türkei. Als ich 10 war, kamen wir zurück nach Hamburg. Ich bin türkisch geprägt und stolz auf meine Herkunft und türkische Kultur.“, sagt Faro einem Reporter von jungeMedien Hamburg im Gespräch. Faro lebt heute in Hamburg-Neugraben und hat im letzten Jahr noch bis Mai 2008 die HipHop-Gruppe “VeddelStreetz” im Haus der Jugend Veddel geleitet. Laut „Mopo“ und „taz“ hat Faro dort mit Jugendlichen „Gewaltvideos“ gedreht (wir berichteten), wobei mit Gewalt hauptsächlich aggressive Raptexte gemeint waren.

©www.myspace.com/hamburgunefesi - Faro bei einem seiner Auftritte

Auf seiner Website hatte Faro zu diesem Zeitpunkt ein Foto von sich, das ihn martialisch posierend mit einer Schrotflinte zeigte, das Foto ging unter dem Titel „Ein Gewalt-Rapper als Jugendbetreuer“ durch die Presse. Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ kündigte sogar extra eine Sendung zu dem Thema an, strich diese jedoch wieder schlagartig aus dem Programm. Als Antwort auf die Berichterstattung von „Mopo“ und „taz“  drehte Faro kurzerhand ein Video, das auf YouTube veröffentlicht wurde. In dem Video werden „Mopo“ und „taz“ als „Klatschpresse“ und der „taz“-Redakteuer Marco Carini als „Hackfresse“ bezeichnet. Die „taz“ kündigte daraufhin rechtliche Schritte an. Faro und sein Anwalt Andy-M. Kokoc, von der Rechtsanwaltskanzlei Swienty & Swienty, sehen die Sachlage indes anders:

Faro, wieso ist eigentlich die vom NDR geplante „Zapp“-Sendung am 14. Januar nicht wie angekündigt ausgestrahlt worden?

Faro: Das kann mein Rechtsanwalt, Andy-M. Kokoc, von der Rechtsanwaltskanzlei Swienty & Swienty, beantworten, der mit dem Chefredakteur, Herrn Haberbusch, sprach.

Rechtsanwalt Kokoc:

Herr Haberbusch teilte mir vor dem Ausstrahlungstermin mit, dass seine Redakteure aufgrund der negativen Berichterstattung zunächst davon ausgingen, ihrem Journalistenkollegen von der TAZ, Herrn Carini, helfend zur Seite treten zu müssen. Nachdem sie schließlich unseren Mandanten befragten, ergab sich ein völlig anderes Bild. Herr Carini hatte nur einseitig über Faro berichtet und ihm fälschlich die Rolle des blutrünstigen und frauenverachtenden Gewaltrappers zugewiesen. Zudem wurden die Umstände über die Beendigung der Zusammenarbeit unseres Mandanten mit dem Jugendzentrum Veddel falsch dargestellt.

Tatsächlich hat Faro gekündigt, um das Jugendzentrum vor der negativen Berichterstattung zu schützen. Als nun die „Zapp“-Redaktion all dies erkannte, wollte sie richtiger Weise nicht ihr ursprünglich geplantes Konzept „Faro vs. Carini“ ausstrahlen. Sie hatte festgestellt, dass die Angelegenheit vielschichtiger ist. Wir führen deshalb gerade Gespräche über einen Bericht, der Faro´s Musik und vor allem seine Texte angemessen wiedergeben wird. Seine Musik ist Kunst. Die künstlerische Freiheit ist in Deutschland ein verfassungsmäßig geschütztes Grundrecht. Unbestritten bedient sich Faro sehr harter Ausdrücke, die für manche Hörer anstößig wirken. Sie verkennen allerdings, dass er lediglich die Sprache der Straße verarbeitet und wiedergibt. Es geht nicht zuletzt darum, Gefühlen und Problemen in alltäglichen Situationen, mit denen viele Jugendliche in Hamburg konfrontiert sind, eine Ausdrucksform zu geben. Mithin bedarf es einer ausgewogenen Berichterstattung, die allen Seiten gerecht wird.

Du hast in deinem Stadtteil auch für krebskranke Kinder Geld gesammelt …

Faro: Mein größter Fan, Kevin Brook, wurde nur 9 Jahre alt. Er starb an Blutkrebs. Das war für mich der Anlass, etwas für krebskranke Kinder zu tun. Als ich 2006 für das HDJ-Veddel arbeitete, organisierten wir das Veddeler Stadtteilfest. Verschiedene Musikgruppen traten dort auf. Veddelstreetz und ich spendeten unsere Gage und wir sammelten auch Spenden.
Im Januar 2009 fand in Lübeck eine Benefizveranstaltung statt, der Mach-Was-Jam. Es kamen 1.900,00 € an Einnahmen zusammen, die gespendet wurden. Dazu kam meine gesamte Gage. Es werden eine CD und eine DVD rauskommen. Diverse Gruppen sind mit mir dort vertreten. Die gesamten Einnahmen werden ebenfalls für krebskranke Kinder gespendet.

Gab es jemals eine Interviewanfrage vom NDR, von der MOPO oder von der TAZ?

Faro: Der NDR fragte wegen der Zapp-Geschichte an. Vorher meldete sich das „Hamburg-Journal“ und interviewte Veddelstreetz und mich wegen meiner harten Videos und Texte. Leider hielten es Deine Kollegen von der MOPO und der TAZ nicht für nötig, eine objektive Berichterstattung zu machen. Bis heute interessiert sie mein Standpunkt nicht. Es gab keine Anfragen bei mir.

Deine Tätigkeit als Jugendarbeiter im HDJ-Veddel ist beendet. Willst du weiter in Projekten mit jungen Leuten zusammenarbeiten?

Faro: Na klar! Mein Ziel war immer, Kids von der Straße zu holen und ihnen eine sinnvolle Beschäftigung zu geben. Ich selbst hatte keinen, der mich aus dem Dreck geholt hat. Ich hatte nur Glück, dass ich für die Scheiße, die ich gebaut habe, nicht in den Knast gewandert bin. Ich weiß, wie das Leben auf der Straße von HH-Süd abläuft. Heute verarbeite ich mein Leben in meinen Texten und meiner Musik. Ich wünsche mir, dass die Kids meinem Beispiel folgen.

Wer leitet jetzt das Projekt Veddel-Streetz?

Faro: Keiner. Die Jungs sind auf sich selbst gestellt. Leider

Hast du weiterhin guten Kontakt zu der Gruppe von Veddel-Streetz?

Faro: Die Jungs rufen mich an, wenn Sie Probleme haben oder Hilfe bei ihren Texten brauchen oder auch einfach nur mit mir chillen wollen. Ich bin immer für die Jungs da.

Welche Auswirkungen hatte die Presse-Kampagne gegen dich auf dein privates Leben?

Faro: Ich bekomme keinen Job mehr. Egal, wo ich mich bewerbe. Die Frauen machen einen großen Bogen um mich. Mich verachten viele, weil ich als Rassist verunglimpft werde. Ich möchte hier eines klarstellen, ich bin weder gewaltverherrlichend noch sexistisch oder rassistisch.

Wirst du wieder als Jugendbetreuer arbeiten können?

Faro: Ich hoffe es. Aber da muss die Toleranz in dieser Gesellschaft steigen.

Du willst also weiterhin mit jungen Leuten zusammenarbeiten?

Faro: Auf jeden Fall.

Klaus Lübke von der SPD hat die Berichterstattung in der TAZ scharf kritisiert. Könntest du dir auch vorstellen in die Politik zu gehen, zB als Mitglied bei der SPD?

Faro: Bislang war die Politik eher Nebensache für mich. Aufgrund der Presseaktionen, vor allem der einseitigen und oft falschen Artikel der TAZ, habe ich gemerkt, wie wichtig Politik ist und dass es besser ist, sich als Konsequenz politisch zu engagieren. Für mich stand immer fest, dass wenn ich mich politisch einbringe, nur die SPD in Frage kommt. Ich danke Klaus Lübke für seinen Support.

Hatte das Video „Osmanischer Terrorsound“ eigentlich juristische Konsequenzen für dich? Die TAZ hatte ja mit rechtlichen Schritten gedroht…

Faro: Es sah anfangs so aus. Aber ich konnte mich mit meinem Anwälten bewaffnen, die eine sehr gute Arbeit leisten und mir den Rücken freihalten.

Du hast regelmäßige Auftritte. Was ist musikalisch demnächst bei dir geplant?

Faro: Ich arbeite hart an meinem Album „Osmanischer Ghetto Sound“. Es wird im Sommer in den Läden sein und viele andere Alben in den Schatten stellen. Meine Beatz sind überwiegend von Syndikatebeats. Aber auch andere Beatproducer, wie z.B. Balkanbeats, Aslanbeats, Capobeats sorgen für osmanische Stimmung. Features sind u.a. geplant mit Ercandize, Bacapon, Maskoe, Basstard, Frauenarzt, Laas Unlimited, SK Ekrem, Kurdy A., Ily Idol, Swiss, Bonez MC, H Kid.

Mit welchen Künstlern arbeitest du zusammen?

Faro: Mein Team ist Schwarzkopf CLIKK. Members sind Maskoe, Faro, SK Ekrem, Syndikatebeats, Adopekid, Farhot, H Kid. Was die graphische Gestaltung angeht, habe ich glücklicherweise den weltbesten Graphiker, Adopekid, an meiner Seite.

Du rappst auch sehr gut auf Türkisch. In welcher Sprache rappst du am liebsten?

Faro: Natürlich auf meiner Muttersprache Türkisch, wobei ich ab und zu gerne mal auf Deutsch rappe.

Kann man dieses Jahr schon mit deiner ersten Scheibe rechnen?

Faro: Wie schon gesagt. Das Ding wird im Sommer erhältlich sein.

Wie geht’s deiner Pumpgun (Schrotflinte)?

Faro: Ihr geht es gut. Ich halte sie immer schön sauber. Sie hängt bequem und warm über meinem Kamin. Sie erfüllt ihren Zweck.

Vielen Dank für das Interview!

Interview: JMH-Reporter Schulz

weitere Informationen:

Website von Faro: www.myspace.com/hamburgunefesi

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4 Responses to „Faro vs. Marco Carini“: Die Antwort auf MOPO und TAZ – Interview

  1. […] “Faro vs. Marco Carini”: Die Antwort auf MOPO und TAZ – Interview « Junge Medien H… sagt: März 2, 2009 um 3:17 […]

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