„taz“ zeigt die Krallen: Hamburger Rapper Faro im Medienmagazin „Zapp“


©www.myspace.com/hamburgunefesi – Rapper „Faro“ in martialischer Pose

Seit einigen Tagen üben „taz“ und „Mopo“ massive Kritik an einem Hamburger Rapper. Seine Texte seien  gewaltverherrlichend und sexistisch. Seine „Gewalt“-Videos wurden angebl. mit Steuergeldern finanziert. Die „Mopo“ nennt hier in einem Artikel vom 03.12.2008 explizit ein „Gewalt“-Video, das angebl. mit Steuergeldern finanziert worden ist, nämlich als Mario Kroß alias „Faro“ (30) noch Honorarkraft im HDJ-Veddel war:  „Osmanischer Ghettosound“. Der ins Visier von „taz“ und „Mopo“ geratene Rapper, „Faro“, hat dort bis Mai 2008 noch die HipHop-Gruppe „VeddelStreetz“ im Haus der Jugend Veddel geleitet.

Nach der „Mopo“ schaltete sich auch die „taz“ in die öffentliche Debatte ein(2). Und nach einer tagelangen Kampagne gegen den Rapper Faro, wurde der Vorfall in Veddel sogar zum Politikum. Der Hamburger Journalist, Marco Carini ( Landespolitischer Redakteur der taz-Nord), wird mittlerweile  „indirekt bedroht“, weil seine Adressdaten laut „taz“ in mehreren Webblogs aufgetaucht sind. Wo die Adressdaten herkommen und ob sie vielleicht aus dem öffentlichen Telefonverzeichnis sind, bleibt unerwähnt.

Von der Hamburger CDU wird gegen den SPD-Politiker Klaus Lübke gewettert, der sich nun offenen Rücktrittsforderungen gegenübersieht, weil er die nötige „Distanz“ nicht gewahrt hat. Lübke hatte den Rapper Faro in Stellungnahmen verteidigt und den „taz“-Redakteur Marco Carini öffentlich als „Schreibtischtäter“ gebrandmarkt. Beobachter staunen mittlerweile darüber, wie einige Zeitungsartikel über einen Hamburger Rapper und Jugendarbeiter sich langsam und sicher zu einer gesellschaftspolitischen Posse entwickeln. Als ob man keine anderen Sorgen hätte: Der Vorfall „Faro“ wird zur großen Angelegenheit gemacht und mutiert zum Spielball politischer Interessen. Weise Worte mahnen oft vergebens, nicht aus jedem Vorfall eine große Angelegenheit zu machen.

„Indirekte Drohung“ gegen „taz“-Redakteur

Nach der massiven Berichterstattung über Faro und seine Aktivitäten im Haus der Jugend Veddel, die Faro mit Bildern die man von seiner Website entnommen hatte reißerisch als Rapper mit einer Schrotflinte posierend zeigten und als akomlaufenden Gewalttäter präsentierten, antwortete Faro auf diese undifferenzierte Darstellung seiner Person mit einem Musikvideo „Osmanischer Terrorsound“, welches auf seiner Myspaceseite und auf YouTube veröffentlicht wurde.  Der Titel „Osmanischer Terrorsound“ spielt hier direkt auf die Presseberichte an, die den Rapper  Faro – inspiriert durch das angebl. gewalttätige Video „Osmanischer Ghettosound“ – in ihrer Berichterstattung quasi zum gewalttätigen „Terroristen“ erklärt und stilisiert hatten, der mit Schrotflinte bewaffnet durch Hamburgs Straßen läuft und (durch Steuergelder finanziert) Jugendliche zur Gewalt animiert.

In dem Video wird direkt der „taz“-Redakteur Marco Carini für seine Berichterstattung über Faro angegriffen. Carini wird als „Hackfresse“, „Mopo“ und „taz“ als „Klatschpresse“ bezeichnet. Außerdem erhält Marco Carini von Faro die Botschaft: „Wenn ich will, Marco, hab ich deine Adresse“.  Anstatt, dass nun aber der „taz“-Redakteur Marco Carini die Goldkette umhängt, sich mit Baseballmütze und Sonnenbrille bewaffnet, um eine Videoantwort zu starten, wird von der „taz“ in dem „Beef“  haarscharf mit rechtlichen Schritten gedroht. Nach dem Motto: Unser Redakteur wurde „gedisst“ und indirekt bedroht, dadurch sehen wir massiv seine Persönlichkeitsrechte verletzt. Aber wer hat den „Beef“  denn angefangen und Faro „gedisst“? Doch nicht etwa“ MC Carini“?

Die andere Seite von Faro
Der Veddeler Gangster-Rapper „Faro“ bezeichnet seine Form der Kunst, den Rap, als Ausdrucksmittel der Straßenjugend. Kritiker geben ihm Recht mit der Annahme, dass Jugendliche aus Problemvierteln nicht mit Blümchenmusik erreicht werden können. Wer die Straße erreichen will, muss selbst zum Teil der  Straße werden.
Faro wird von den Jungs respektiert, ihm hören sie zu, er hat ihnen innerhalb des Musikprojektes „Veddel Streetz“ eine sinnvolle Beschäftigung gegeben. Über die Sprache der Straßenjugend und ihre Ausdrucksformen mag man streiten.

Wir können Faro unsere Zustimmung allerdings nicht gänzlich versagen, wenn er sagt: „Im Rap ist es gestattet seinen Gedanken freien Lauf zu lassen ohne sich künstlerisch einschränken zu müssen. Das kann der Großteil der Gesellschaft nicht nachvollziehen. Sie verurteilt uns, nur weil wir eine andere Ausdrucksweise haben als sie…Als ich im Haus der Jugend Veddel als Hip Hop Projektleiter tätig war, wollte ich den Jugendlichen einen Weg zeigen ihren Frust und ihre Aggressionen in Musik umzuwandeln, anstatt sie auf der Strasse abzubauen…Ich hab dafür gesorgt, dass sie einen geregelten Tagesablauf haben und lernen kreativ und diszipliniert zu arbeiten. “ quelle: myspace

Wieso sind nicht auch andere Videos, wie zB „Hamburg Veddel Streetz – Steh auf“ (youtube) erwähnt worden, die unter Faros Mitwirkung entstanden? Wieso hat man sich nicht mit Faro zusammengesetzt und ihn zu seinen Ansichten befragt? Wieso blieb unerwähnt, dass er angeblich sogar für krebskranke Kinder Geld gesammelt hat? Faro ist in seinem Stadtteil als jemand bekannt, der viel für die Jugend getan hat. Eine differenzierte und faire Berichterstattung blieb bisher aus.

Medienmagazin „Zapp“ will über „Gewaltvideo“ berichten
Das Medienmagazin Zapp, welches ansich für seine differenzierte Berichterstattung und oftmals gute Recherchen bekannt ist, will nun am heutigen Abend um 23 Uhr (NDR3) über das „Gewaltvideo“ von Faro berichten. Man darf darauf gespannt sein, wie die Berichterstattung von „Zapp“ ausfällt und ob es eine gelungene Gegenüberstellung beider Seiten gibt. In jedem Fall hat sich wieder einmal gezeigt, dass im Journalismus die Leute mit dem richtigen Feingefühl für solche Themen rar gesät sind.

In Zeiten wo europäische Straßen Pulverfässern gleichen, müsste man meinen, dass der Presse eine enorme Verantwortung obliegt. Nämlich die, nicht unnötig zu zündeln und Lunten zu legen, sondern in Angelegenheiten von hoher Brisanz eine deeskalierende Strategie mit Fingerspitzengefühl zu fahren. Da dies offenbar nicht gelingt, sind gerade deshalb  auch junge Initiativen zu begrüßen, die sich für mehr Journalisten mit Migrationshintergrund einsetzen, die oft einen anderen und besseren Zugang zu solchen Themen haben.

(jmh)

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7 Antworten zu „taz“ zeigt die Krallen: Hamburger Rapper Faro im Medienmagazin „Zapp“

  1. filiz sagt:

    yeah. das ist journalismus!

  2. […] “taz” zeigt die krallen: Hamburger Rapper Faro im Medienmagazin “Zapp” » […]

  3. Maskalyn sagt:

    Taz und Mopo soll sich fi**en

    Faro ist ein guter Mensch und tut viel für die Menschen. Als ich in Lübeck eine Hip Hop Jam für krebskranke Kinder veranstaltete fragte mich Faro sofort ob er dazu beitragen kann. „Für so welche Projekte bin ich immer zu haben“ war seine Aussage. Zudem frage ich mich warum immer nur über seine Tracks berichtet wird, die etwas härter sind. Es gibt auch viel mehr andere Tracks von ihm. Wer die Geschichte des Hip Hop kennt weis das diese Musik Genre entstanden ist, damit man sein Frust in seinen Tracks und nicht auf der Straße auslässt. Es kann auch eine Art Therapie sein.

  4. […] Mario Kroß alias “Faro” (30) ist 1978 in Hamburg als Sohn einer türkischen Mutter und eines zum Islam konvertierten deutschen Vaters geboren.  Sein Vater starb als er 5 Jahre alt war. “Wir gingen dann zur Familie meiner Mutter nach Aydin in die Türkei. Mit 10 kamen wir zurück nach Hamburg. Ich bin türkisch geprägt und stolz auf meine Herkunft und türkische Kultur.”, sagt Faro im Gespräch. Faro lebt heute in Hamburg-Neugraben und hat im letzten Jahr noch bis Mai 2008 die HipHop-Gruppe “VeddelStreetz” im Haus der Jugend Veddel geleitet. Laut “Mopo” und “taz” hat Faro dort mit Jugendlichen “Gewaltvideos” gedreht (wir berichteten), wobei mit Gewalt hauptsächlich aggressive Raptexte gemeint waren. […]

  5. […] “taz” zeigt die Krallen: Hamburger Rapper Faro im Medienmagazin “Zapp” &laqu… sagt: Januar 14, 2009 um 8:34 […]

  6. […] “taz” zeigt die krallen: Hamburger Rapper Faro im Medienmagazin “Zapp” » […]

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