„Ich habe geweint, als Obama Präsident wurde.“ – Interview mit D-Flame


©JMH/EMI – Für D-Flame war die Wahl Obamas ein besonderer Moment

Die Wahl des ersten afroamerikanischen US-Präsidenten ist auch für die afrodeutsche Community in Deutschland ein besonderer Augenblick gewesen. D-Flame ist deutscher Hiphop-/Soul- und Reggaekünstler und Mitglied der Organisation „Brothers Keepers„.  Der mittlerweile mehrfache, stolze Familienvater hat selbst einen afroamerikanischen Vater und eine weiße Mutter. Im Gespräch mit jungeMedien Hamburg erzählt er, wie er den historischen Augenblick persönlich erlebt hat, als Obama zum ersten afroamerikanischen Präsidenten Amerikas gewählt wurde.

Flame, du bist ein Kenner Amerikas und hast afroamerikanische Wurzeln. Am 04. November ist Barack Obama zum ersten afroamerikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden. Wie hast du diesen Augenblick persönlich erlebt?

Flame: Ich war natürlich life dabei vorm Fernseher als um 04:58 Uhr klar war, dass Obama der Sieger ist. Es ist schwer dieses Gefühl in Worte zu fassen. Es war natürlich überwältigend. Eine Art Rausch und ich habe natürlich geweint. Der berührendste Moment war, als ich Jesse Jackson weinen sah. Er war einer der ersten schwarzen Anwärter auf den Titel und ein sehr Aktiver in der Bürgerrechtsbewegung. Das war schon ein sehr berührender Moment.

Viele haben diese historische Nacht vor dem Fernseher oder im Internet verbracht, um die Wahlergebnisse im Auge zu behalten. Wie hast du diese Wahlnacht der Wahlnächte verbracht?

Flame: Wie gesagt, ich habe die Wahl gespannt vor dem Fernseher verfolgt und bis um acht Uhr morgens durchgemacht.

Shirley Chisholm hat es 1972 versucht, Jesse Jackson hat es 1984 und 1988 versucht und Obama hat es 2008 geschafft: Der erste Afroamerikaner im US-Präsidentenamt.
Du selbst hast bis zuletzt nicht daran geglaubt, dass so etwas in Amerika möglich ist.

Flame: Ja, ich dachte, das wäre wieder mal so ein Ding, wo Amerika versucht, alles ein bisschen mit ein wenig „Farbe“ aufzulockern. Dann dachte ich später, dass sie ihn bestimmt gewinnen lassen, weil es einfach zu viel aufzuräumen gibt. Und jetzt freue ich mich und weiß, dass eins meiner Kids vielleicht Präsident werden kann. (lacht)

Können wir dieses welthistorische Wahlereignis – manche sprechen gar von einer Kulturrevolution – direkt als Folge der unermüdlichen und jahrzehntelangen Arbeit der schwarzen Bürgerrechtsbewegung in den USA sehen?

Flame: Ja, ich denke schon und jetzt ist es „Time for a Change“.

Es wird gegenwärtig wieder viel von Martin Luther King gesprochen. Über die Verdienste von Malcolm X redet man nur ungerne. War Malcolm zu radikal?

Flame: Ja, ich habe das schon sehr oft gemerkt, dass lieber über Dr. King geredet wird. Ich glaube aber nicht, dass Malcolm zu radikal war. Er war nur ein sehr realistischer Mann, der den Menschen noch mehr Kraft gegeben hat, da die Theorie von King damals zu soft war.
Ich respektiere beide sehr. Doch ich denke, dass in dieser radikalen Zeit von damals der Weg von Malcolm X besser war.

Viele Menschen sehen in Obama den Erlöser und glauben, dass er als neuer US-Präsident die große Wende bringen kann. Sind die Erwartungen an den ersten afroamerikanischen Präsidenten zu hoch gegriffen?

Flame: Das habe ich auch schon mitbekommen. Man sollte nicht zu viel von ihm erwarten, er ist auch nur ein Mensch. Ich glaube aber, alleine der Umstand, dass nun ein afroamerikanischer Mann Präsident ist, wird eine große Wende bringen.

Nicht wenige befürchten einen einen Anschlag auf Obama und sind um seine Sicherheit als erster schwarzer US-Präsident besorgt…

Flame: Ja, natürlich bin auch ich besorgt! In einem Land wie Amerika kann alles passieren, siehe: Martin Luther King, Malcolm X, Kennedy usw. Ich weiß auch nicht, ob der Sicherheitsdienst Lust auf diese schwere Aufgabe hat.

Obama ist Afroamerikaner und Patriot. Ein Afrodeutscher als Patriot und Politiker in Deutschland – möglich oder unmöglich?

Flame: Das muss möglich sein!

Farbiger, Schwarzer, Halbafrikaner, Mulatte, Afroamerikaner, Afro-Amerikaner…Die weißen Medien wussten dieser Tage nicht so richtig, wie sie Obama nennen sollten. Obama sieht sich mittlerweile selbst als Teil der schwarzen Community, obwohl er anfangs eine ernsthafte Identitätskrise durchgemacht hat. Fakt ist: Er hat eine weiße Mutter, aber er hat eine schwarze Frau und Kinder mit ihr. Für mache Afroamerikaner war Obama zu Beginn der US-Wahl trotzdem nicht schwarz genug. Wie schwarz ist man als Halbafrikaner wirklich?

Flame: Vor dem Nazi oder dem Ku-Klux-Klan sind wir alle schwarz – fertig! … Ich will garnicht die Worte erwähnen, die sie uns nennen würden. Ich glaube aber, dass es auch ein Vorteil sein kann, einen doppelten kulturellen Hintergrund zu haben, denn so kann man auf beide Seiten gucken.

Nun ist endlich mal ein Afroamerikaner Präsident in Amerika. Ein Grund in die USA auszuwandern, um diesen Augenblick hautnah zu genießen?

Flame: Ohh ja, das war mein erster Gedanke. (lacht)  Mal sehen, was die Zukunft bringt. Ich glaube aber, dass ich eher nach Jamaika auswandern würde.

Dein neues Solo-Album „Stress“ ist gerade erschienen. Schonmal über einen Obama-Song nachgedacht?

Flame: Das Lustige ist, ich habe einen Song zusammen mit Scola gemacht, wo wir die momentane Weltlage thematisiert haben. Dann haben wir ein Video zu „Solution“ gedreht und ich wollte unbedingt ein Obama-Bild drinnen – und das noch eine Woche vor der Wahl!
Das war Optimismus to da fullest.

Peace!

Interview: JMH-Reporter Schulz

weitere Informationen

Website von D-Flame: www.dflame.de

D-Flame auf: www.MySpace.com

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11 Antworten zu „Ich habe geweint, als Obama Präsident wurde.“ – Interview mit D-Flame

  1. Renegade sagt:

    endlich mal wieder ein neues Album von D! heute abend ist ürigens die release party im wagenbau 23 uhr
    http://www.waagenbau.com/aprogramm/aprogramm.php#11-15

  2. Mike sagt:

    Schönes Interview! Power to the people!!

  3. […] erlebt hat. Welche Gefühle in ihm aufkamen und welche Chancen er für die Zukunft sieht. Zum Interview! Barack Obama, Sohn einer Weisen und eines Kenianers ist der erste afro-amerikanische […]

  4. Gustav Sch. sagt:

    Um ganz ehrlich zu sein, weiß ich nicht, ob Obama nun der Präsident der schwarzen, der Jugendlichen, des Internets ist oder doch alles zusammen. Was er auf jeden Fall geschafft hat, und allein dafür bebührt ihm riesiger Respekt, ist, die neuen Medien in perfekter Art und Weise zu nutzen, um seine geniale, auf Dialog mit dem Wähler basierende Wahlkampfstrategie zu einem riesigen Erfolg werden zu lassen, siehe auch http://news.de.msn.com/politik/article.aspx?cp-documentid=10584346

  5. […] im Text bei junge medien hamburg, die das Interview […]

  6. […] “Ich habe geweint, als Obama Präsident wurde” – Interview mit D-Flame » […]

  7. […] “Ich habe geweint, als Obama Präsident wurde.” – Interview mit D-Flame » […]

  8. […] “Ich habe geweint, als Obama Präsident wurde.” – Interview mit D-Flame » OZ – Osdorfer Born: Dichter und Rapper aus Hamburg Osdorf » […]

  9. […] “Ich habe geweint, als Obama Präsident wurde.” – Interview mit D-Flame » OZ – Osdorfer Born: Dichter und Rapper aus Hamburg Osdorf » […]

  10. […] “Ich habe geweint, als Obama Präsident wurde.” – Interview mit D-Flame » OZ – Osdorfer Born: Dichter und Rapper aus Hamburg Osdorf » […]

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