Der Faktor Russland in der Weltordnung des 21. Jahrhunderts / Interview mit Dr. Ernst-Jörg von Studnitz


©Privatarchiv / Dr. Ernst-Jörg von Studnitz, Botschafter a.D.

Die Krise in Georgien beherrscht gegenwärtig weltweit die Schlagzeilen und stellt die deutsch-russischen Beziehungen auf eine harte Probe. Europa und die Nato sind gespalten in der Ansicht, wie man mit dem russischen Bären umzugehen hat. Dr. Ernst-Jörg von Studnitz ist Botschafter a.D., Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums und gilt als Kenner der russischen Mentalität. Von 1995 bis Juni 2002 war er Botschafter in Moskau. Im Gespräch mit einem Reporter von JungeMedien Hamburg beantwortete er auch kritischen Fragen zur neuen Russland-Krise.
Im Gespräch mit Dr. Ernst-Jörg von Studnitz
Interview: JMH-Reporter Schulz
Länge ca. 15 Minuten

Russland Im Kreuzfeuer: Angriffe auf die Pressefreiheit, Verstaatlichung von Unternehmen, Liquidierungen von unliebsamen Personen, Polonium-Affäre, Energiepolitik als Machtpolitik, der Abgang von Altkanzler Gerhard Schröder, Raketenschild in Polen und die Georgien-Krise. Die neusten Spannungen mit Russland folgen einer ganzen Kette von Ereignissen, die nicht isoliert betrachtet werden können, wenn man die neue Russland-Krise verstehen will.

Europa braucht keinen neuen Krieg
Unabhängig davon, wer in Südossetien zuerst geschossen hat. Die Welt kann weder einen neuen Kalten Krieg, noch einen neuen Weltkrieg gebrauchen. Zwar ist allseits bekannt, dass die Russen keine Samariter sind, aber die Aussagen des georgischen Präsidenten Saakaschwili zum Vorgang der Georgien-Krise werden in einem Spiegel-Online-Artikel vom 30.08.2008 ernsthaft in Frage gestellt. Kritisch beleuchtet wird vom Spiegel in einem Artikel vom 13.08.2008 auch die Rolle der Amerikaner in der Georgien-Affäre.

Russland ist ein wichtiger Partner für Europa, doch das gegenseitige Misstrauen hat in jüngster Zeit wieder neue Nahrung bekommen. Der russische Bär ist aus dem Winterschlaf erwacht und hat zu neuer Stärke gefunden. Spätestens seit der Zerschlagung der russischen Erdölkonzerne unter der Ära Wladimir Putin und der zwangsweisen Verstaatlichung dieser, ergießt sich über Russland ein neuer Geldregen.

Die neue Stärke des russischen Bären
Über 500 Milliarden liegen auf der hohen Kante – Tendenz steigend. In den Jahren 2005/2006 wurde bekannt, dass Russland seine Schulden beim Pariser Klub in Höhe von über 40 Milliarden US-Dollar auf einen Schlag zurückzahlen kann. Größter Gläubiger Russlands ist Deutschland, dem rund die Hälfte der 40 Milliarden zustehen. Die Vanity Fair kürte Putin in einem Ranking jüngst zum „einflussreichsten Menschen der Welt“, besonders im Hinblick auf die riesigen Energieressourcen, über die Russland verfügt.

Der Faktor Russland wird in der Geopolitik der neuen Weltordnung eine zunehmend große Rolle spielen. Auf die Frage, auf welchem Kurs er das heutige Russland sieht, antwortet Dr. Ernst-Jörg von Studnitz im Interview: „Der gegenwärtige Kurs von Russland ist ein solcher, Russland wieder groß und stark in der Welt dastehen zu lassen. Und auf diesem Wege sind sie natürlich schon erheblich weit vorangekommen.“

(jmh)
Verwandte Themen

Dr. Ernst-Jörg von Studnitz im Interview zur Gewalt gegen russische Demonstranten (Deutschlandfunk) »

Dr. Ernst-Jörg von Studnitz im Interview zur Georgien-Krise (Deutschlandfunk) »

Internetseite des Deutsch-Russischen Forum e.V. »

Internetseite des Petersburger Dialog e.V. »

„Vorsicht vor diesem Jäger“ Eine Analyse russischer Großmachtpolitik (welt.de) »

„Putin tappt in die Falle“ (annakuehne.twoday.net) »

Putin-Interview (ca. 29 min) – Thomas Roth im Gespräch mit Wladimir Putin:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: