Mixed Martial Arts (MMA) – ein Novum in den Kampfkünsten? Teil1

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Die heutigen Vertreter traditioneller Kampfkünste lehnen es oft ab, neue Einflüsse in ihren Stil aufzunehmen. Das vermeintlich exakte imitieren einer fest überlieferten Vorlage steht beim Training oft im Vordergrund. Die Techniken werden dogmatisch ausgeführt und lassen im Unterricht keine Variationen zu. Innovative oder fremdbeeinflusste Schüler fallen bei diesem Unterrichtsstil oft in Ungnade.

Der bekannteste Kampfkünstler der mit diesem starren Traditionalismus gebrochen hat ist Bruce Lee. Er beschäftigte sich mit vielen unterschiedlichen Kampfkünsten wie Wu Stil Taijiquan, Boxen, Fechten, Savate, Wing Chun und Tán Tuǐ. Um seine Kenntnisse noch mehr zu erweitern, tauschte er sich auch mit den Meistern anderer Kampfkünste aus, wie zum Beispiel aus dem Liuhebafa ( Wasserboxen ). Von dem Begründer des Small Circle Jiu Jitsu, Wally Jay, wurde er informell unterrichtet.

Der Stuntman und Judo-Champion Gene LeBell führte ihn in den Bodenkampf aus dem Judo und Ringen ein, und brachte ihm Aufgabetechniken am Boden bei. Aus diesen Kampfkünsten leitete er Prinzipien ab, die er noch modifizierte, um seinen eigenen Stil Jeet Kune Do konstant weiter zu entwickeln. Dies war allerdings nur eine Vorstufe in seiner Entwicklung zur Meisterschaft. Das endgültige Ziel sollte sein, keinen Stil zu besitzen, sowie formlos und ohne Gestalt zu sein wie Wasser. Diese Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sollte es dem Kampfkünstler ermöglichen, auf alle Situationen reagieren zu können. In seinem letztem unvollendetem Film „Game of Death“ sollte diese Philosophie symbolisch bei den Kämpfen in einer Pagode zum Ausdruck kommen.

Mit der wachsenden Popularität des Kampfsports fragten sich Fans oft, welcher Kampfsport der Beste sei? Oder wie ein Kampf unterschiedlicher Kampfsportarten ausgehen würde? Der berühmteste, wenn auch nicht spektakulärste Wettkampf dieser Art, war wohl der zwischen dem Ringer Antonio Inoki und dem Schwergewichts Boxchampion Muhammad Ali am 26.06.1976 in Tokio, Japan. Er endete mit einem Unentschieden, da Ali im Stand allen Angriffen Inoki’s, der auf dem Boden saß, auswich.

Danach gab es in Japan Veranstaltungen wie Shooto, wo Kämpfer Techniken aus dem Standkampf und Bodenkampf miteinander verbanden. Ein andere bekannte Veranstaltung in Japan heißt Pancrase. Bei dieser Veranstaltung wurde in den Anfängen mit dünnen Schienbeinschonern getreten und zum Kopf nur mit der offenen Hand geschlagen. Auch in Brasilien ist MMA als Wettkampfsports seit langem sehr beliebt und heißt dort „Vale Tudo“ (alles geht).

The Ultimate Fighting Championchip ( UFC )

Einer breiten Öffentlichkeit wurde diese Art von Wettkampf erst mit der Veranstaltung „the Ultimate Fighting Championship“(UFC) am 12.11.1993 in Denver, Colorado zugänglich. Bei den ersten Veranstaltungen kämpften noch unterschiedliche „Stile“ im Käfig gegeneinander und es glich mit seinen wenigen Regeln mehr einem blutrünstigem Spektakel. Der siegreiche Royce Gracie machte seinen Familienstil, das brasilianische Jiu Jitsu (BJJ), in den Anfängen des UFC weltberühmt. Royce Gracie’s BJJ überzeugte vor allem dadurch, dass er nicht besonders athletisch aussah und trotzdem viel kräftigere Gegner mit seinen Hebel- und Würgetechniken bezwingen konnte. Schnell versuchten andere Kämpfer seine Techniken, wie die „Guard-Position“, zu übernehmen. Heutzutage gehört das BJJ zum Repertoire der meisten MMA- Kämpfer. Jedoch war das BJJ damit nicht der unbesiegbare, beste Stil. Dies wurde mit dem Erscheinen des japanischen Kämpfers Kazushi Sakuraba deutlich. Er besiegte in Folge viele Vertreter des BJJ und Mitglieder der Gracie Familie – mitunter Royce Gracie bei MMA-Veranstaltungen wie UFC und Pride. Dadurch bekam er den Spitznamen „Gracie Hunter“. Sein Einfallsreichtum und technisches Können aus dem Freistilringen und Catch- as- Can- Wrestling brachten ihm auch seinen anderen Spitznamen „ The IQ Wrestler“ ein. Selbst er blieb nicht ungeschlagen. Ein anderer Brasilianer brachte seine Erfolgssträhne zu einem jähen Ende.

Wanderlei Silva bezwang ihn eindeutig durch KO (Pride 13). Auch in zwei weiteren Re- Matches ( Pride 17 und Pride Total Elimination 2003) siegte Silva gegen Sakuraba durch KO. Wanderlei Silva kennt zwar auch die Techniken des BJJ allerdings stehen diese Techniken in seinem Kampfstil nicht im Vordergrund. Sein MMA Training in der Chute Boxe Academy beinhaltete auch viele Elemente aus dem Muay Thai. Besonders hatte er den Muay Thai Clinch und den Einsatz der Knie perfektioniert. Das machte ihn zum sehr erfolgreichem und gefürchtetem Pride Mittelgewicht Champion – jedoch blieb auch er nicht ungeschlagen. Die diversen MMA Veranstaltungen haben gezeigt, dass es nicht einen Stil gibt, welcher der „Beste“ oder „Unschlagbare“ ist. Der Sieg hängt viel mehr von der jeweiligen Konstitution des individuellen Kämpfers ab, als von seinem Stil. MMA-Veranstaltungen sind mittlerweile auch keine Wettkämpfe mehr, wo primär einzelne Stile gegeneinander antreten. Das MMA hat sich zu einem eigenen Vollkontaktkampfsport entwickelt. Innerhalb der jeweiligen Regeln, gibt es jetzt ein bewehrtes Repertoire an Techniken. Das Repertoire ist jedoch nicht starr auf einen Stil festgelegt, sondern nimmt immer wieder neue Einflüsse aus diversen Kampfkünsten auf. Dadurch entwickelt sich der Sport immer weiter. Im Standkampf kommen die stärksten Einflüsse aus dem Muay Thai, Kickboxen, Boxen, Karate, San Da und Savate. Im Bodenkampf aus dem BJJ, Ringen und Judo. In Zukunft wären auch Würfe aus dem chinesischen Ringen, Shuai Jiao, im MMA denkbar. Im Sinne von Bruce Lees Maxime „Absorbiere das was für dich brauchbar ist, verwerfe das was nutzlos ist für dich“, werden im MMA die Techniken aufgenommen die zum Sieg führen, und die verworfen die ineffizient sind.

(sej)

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One Response to Mixed Martial Arts (MMA) – ein Novum in den Kampfkünsten? Teil1

  1. Chris sagt:

    In der Selbstverteidigung ist es unbedingt erforderlich sich nicht nur an eine Technik fest zuhalten.
    Eine Kombination aus den verschiedensten Kampfsport Arten erhöht ungemein die eigene Sicherheit.
    Ich selbst finde die Kombination aus Wing Tsun, Krav Maga und Dim Mak besonder gut.

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