Der Milchkrieg in 5 Punkten – Die Existenzangst der Milchbauern und warum der größte Milchproduzent Europas streikt


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Der deutsche und der europäische Milchmarkt erleben zur Zeit ein Erdbeben. Die Globalisierung macht auch vor dem Milchmarkt nicht halt und will bis 2015 aus dem Milchmarkt einen „Weltmilchmarkt“ mit angeglichenen Preisen auf „Weltmarktniveau“ machen. Der deutsche Verbraucher, durch starke Inflation, gestiegene Energiepreise, Steuerabgaben und enormen Verlust der Kaufkraft bis an die Grenzen belastet, steht nun vor zunehmend leeren Milchregalen im Supermarkt – und guckt in die Röhre. Schuld sind nicht die streikenden Milchbauern, sondern der Druck des Weltmarkts, der die Zukunft der europäischen Milchbauern in ihrer Existenz bedroht.

Punkt 1: Deutschland ist größter Milchproduzent Europas
Globalisierung ist schön! Und jetzt geht es den Milchbauern ans Leder. Auch hier sollen die Gegebenheiten des Marktes wieder an „Weltmarktniveau“ angepasst werden – denn deutsche Milch war schon immer viel zu teuer für die, die lieber in Asien einkaufen! Die deutsche Milchproduktion nach Asien od. Osteuropa zu verlegen, dürfte allerdings schwierig werden. Deutschland ist immerhin größter Milchproduzent Europas.

Punkt 2: Der Existenzkampf der Milchbauern
Die Milchbauern liefern dieser Tage keine Milch mehr und schütten tonnenweise Milch weg.
Wer einkaufen geht, steht neuerdings vor leeren Milchregalen und muss auf chinesische oder US-importierte Sojamilch zurückgreifen. Schon mal Müsli mit Sojamilch probiert?…
Nunja, auf dem Milchmarkt tobt zur Zeit der Krampf um den Milchpreis. Dass ein Liter Milch vor einigen Monaten noch billiger als ein Liter Mineralwasser war, ist einem seinerzeit schon mal zu Ohren gekommen. Dann stiegen plötzlich die Preise für Milchprodukte. Die Milchbauern liefen schon damals Sturm, dass die Milchpreise viel zu niedrig sind und dadurch zahlreiche Betriebe am Existenzminimum wirtschafteten. Was folgte, war ein Preisanstieg.

Punkt 3: Milcheiweiß knapp auf dem Weltmarkt

Die Nachfrage nach Milchprodukten und Milcheiweiß auf dem Weltmarkt, veranlasste viele Milchbauern Überschüsse zu produzieren, die zu allererst durch den Weltmarkt – vor allem durch die hohe Nachfrage in asiatischen Ländern – aufgesogen wurde. Durch den Eurokurs und die damit steigenden Preise für Importe ließ die Nachfrage aus Asien allerdings wieder merklich nach, was dann zu einem Überangebot auf dem deutschen und europäischen Markt führte – wodurch die Preise für Milchprodukte auf dem hiesigen Markt wieder schnell in den Keller fielen.

Punkt 4: Energie- und Rohstoffpreise / Ende der Milchquote
Zusätzliche Belastung für die Milchbauern sind die enorm gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise auf dem Weltmarkt. Aufgrund dieser Kostenbelastung wirtschaften viele Milchbauern bereits am Existenzminimum und können nicht mehr kostendeckend arbeiten. Die Existenz vieler Milchbauern hängt direkt am Milchpreis. Experten gehen davon aus, dass die Zahl der Milchbauern von derzeit rund 100.000 Milchbauern in Deutschland bis 2015 drastisch zurückgehen wird, denn bis dahin fällt die Milchquote – und dann soll die Transformation des europäischen Milchmarktes auf „Weltmarktniveau“ abgeschlossen sein. Die Milchquote gibt an, wieviel Milch in der EU produziert werden darf, um die Preise stabil zu halten und Preisverfall zu stoppen. Außerdem könnte uns ab 2015 dann Hormonmilch von „Turbokühen“ blühen, da andere Länder dann versuchen könnten, mehr Milch zu produzieren, um sie innerhalb der EU gewinnbringend abzusetzen. Kritiker befürchten, dass durch den Wegfall der Milchquote 50% der deutschen Milchviehbetriebe in ihrer Existenz bedroht werden könnten – besonders in Bergregionen.


Punkt 5: 100.000 Milchbauern gegen vier Einzelhändler

Auf dem deutsche Lebensmittelmarkt ist ein starker Konzentrationsprozess im Gange. Die Marktmacht wird derzeit von einigen wenigen Lebensmittel-Discountern getragen, darunter Aldi, Liedl und andere Discounter, die auch den Milchpreis diktieren. Konkurrenz auf dem deutschen Lebensmittelmarkt macht sich rar, das spüren auch die 100.000 Milchbauern. Aufgrund der wirtschaftlichen Lage und des starken Preisverfalls, haben sich die europäischen Milchbauern zu einem Boykott zusammengeschlossen, der nun seine ersten spürbaren Wirkungen zeigt. Gerade mal 35 Cent od. noch weniger bleiben derzeit beim Milchbauern pro Liter Milch hängen. Bleibt zu hoffen, dass dies alles zu einem guten Ende kommt und es bald wieder volle Milchregale in den Supermärkten gibt.

(msc)

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