Das Problem mit den Waldorfschulen und die Pädagogik Rudolf Steiners


Foto: Public

Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik, wurde am 25. Februar 1861 im damaligen Kaisertum Österreich geboren. Nachdem er 1907 eine Schrift über die Erziehung des Kindes veröffentlicht hatte, errichtete er am 7. September 1919 die erste Waldorfschule in Deutschland.
Die von Rudolf Steiner gegründete Waldorfschule gilt in Deutschland auch als eine der ersten Gesamtschulen, in der Mädchen und Jungen gemeinsam und unabhängig von ihrer Herkunft, durch eine fördernde und umfassende Pädagogik unterrichtet wurden.
Trotzdem stehen die Ansichten des Gründers der Waldorfpädagogik gerade in der letzten Zeit immer wieder in der Kritik.

Das ist erstaunlich, zumal Waldorfschulen bis vor kurzem noch der Geheimtipp unter den schillernden Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft waren.
So schickte nicht nur Altbundeskanzler Helmut Kohl seine Kinder an Waldorfschulen, sondern auch Udo Jürgens, die Rockröhre Nina Hagen und der afroamerikanische Rock’n’Soulsänger Lenny Kravitz.
Überrascht stellt man schnell fest: die Liste schillernden Persönlichkeiten, die selber auf Waldorfschulen waren oder ihre Kinder dort hinschickten, ist länger als zuerst vermutet.

Die große Geschichte der Waldorfs
Die Geschichte der Waldorfs. Für viele unbekannt, in der öffentlichen Diskussion um Waldorfschulen und die Steiner-Pädagogik nur am Rande erwähnt.
Weltweit existieren laut Wikipedia 958 Waldorfschulen, davon 665 in Europa. Die meisten davon in Deutschland, den Niederlanden und den USA.

Überrascht finde ich eine Seite im Internet, die sich mit der „großen Familie der Waldorfs“ beschäftigt. Die Waldorfs, stelle ich neugierig fest, sind eine große internationale Familie.
Unter den Mitgliedern auffallend viele Schauspieler und Künstler, aber auch Politiker, Journalisten und Schriftsteller:
Barbara Becker, Sandra Bullock, Michael Ende, Martin Walser, Rainer Werner Fassbinder, Cosma Shiva Hagen, Rutger Hauer, Oliver Hirschbiegel, Thomas Koschwitz, Heiner Lauterbach, Victor Navasky, Ferdinand Alexander Porsche, Jenny Schily, um nur einige Namen zu nennen.
Die Liste der Waldorf-Absolventen ist lang.

Rassistisches Gedankengut? – eine Bestandsaufnahme
Zugegeben, die Vorwürfe an die Steiner-Lehre sind pikant: Steiners Schriften enthalten angeblich zum Teil rassistisches Gedankengut und sollten deshalb auf den Index. Von „Rassen“ sei da die Rede, von „Negern“ usw.
Das Bundesfamilienministerium von Ursula von der Leyen ließ kurzerhand Schriften auf ihren rassistischen Gehalt prüfen. Waldorfschulen eine Gefahr für die Gesellschaft?
Einer kritischen Prüfung hält dieser Vorwurf nicht stand. Das Problem mit Schülern rechtsextremer Gesinnung an staatlichen Schulen – vor allem an ostdeutschen Schulen – ist bekannt. Auch die neuerdings wieder postulierte Gefahr der „kriminellen Ausländer“ ist ein Problem, das dem staatlichen Schulapparat entspringt – und nicht etwa den privaten Waldorfschulen. Umstritten ist außerdem, inwieweit Aussagen Steiners, wie „Die Negerrasse gehört nicht zu Europa, und es ist natürlich ein Unfug, dass sie jetzt in Europa eine so große Rolle spielt.“, Bezug zum Unterricht an den Waldorfschulen haben.

Rassistischer Zeitgeist
Rassenideologische Verirrungen, waren zu Steiners Zeit ( 1861 – 1925 ) nichts ungewöhnliches.
Zitate von Rudolf Steiner
Wenn man Steiner eines vorwerfen kann, dann vor allem, dass er ein geistiges Kind seiner Zeit war.
Und überhaupt finden wir rassistische Aussagen bei vielen europäischen Philosophen und Schriftstellern.
Die Überarbeitung oder Kommentierung rassistischer Passagen? Sicherlich eine zeitgemäße Idee!
Genau genommen müssten große Teile der europäischen Literatur umgeschrieben werden, was dank Google auch bald möglich sein dürfte. Vorschlag: Europäische Literatur einscannen und unliebsame Passagen „normen“. Alleine die Vorstellung mag für die einen sehr schmackhaft und für andere wiederum zum Haareraufen sein! Nur zur Erinnerung: Das Wort „Neger“ war bis vor wenigen Jahren noch Bestandteil unzähliger staatlicher Schulbücher.
Dass der Anteil „rechtsextremer Spinner“ an Waldorfschulen im Gegensatz zu staatlichen Schulen, besonders gering ist, sollte zu Denken geben.
Rockröhre Nina Hagen und Udo Jürgens sind prominente Beispiele von Waldorf-Befürwortern, die sich aktiv gegen Rassismus innerhalb der Gesellschaft einsetzen.

Die Pädagogik als Stiefkind der staatlichen Erziehung
Vereinzelte Aussagen Steiners enthalten unumstritten anstößige Passagen. Die Angriffe gegen Waldorfschulen mögen allerdings vielerlei Gründe haben. Zum einen werden sie ihren Ursprung in psychologischen Reflexen finden – das wird bei Beleidigungen wie „Baumschüler“ deutlich -, zum anderen gibt es nach wie vor ein Problem mit den sogenannten „Eliten“ in Deutschland.
An ihren Früchten soll man sie auch erkennen: Doch wie problematisch die Entwicklung staatlicher Schulsysteme ist, haben nicht nur die umstrittenen PISA-Ergebnisse gezeigt. Die Forderung nach einer Zusammenlegung der Schulen und einer Abschaffung der Gymnasien offenbart, dass das staatliche Bildungssystem nun händeringend nach Lösungen sucht, und vor gewaltigen Problemen steht. Denn spätestens seit den PISA-Ergebnissen verzeichnen private Waldorfschulen einen Boom.

Das deutsche Bildungssystem, einst eines der besten der Welt, ist gründlich ruiniert worden.
Geld-, Lehrermangel und erfolglose Pädagogik erfüllen ihren Auftrag, an staatlichen Schulen Bildung zu vermitteln, immer schlechter.
Auch die jüngsten Angriffe aus der Politik gegen sogenannte „kriminelle Ausländer“ offenbaren, dass dort wo Bildung angeboten, aber nicht angenommen wird, die staatliche Pädagogik auf allen Linien versagt hat.
Fast scheint es, als wolle man von eigenen Versäumnissen ablenken: Deutschland baut Gefängnisse und schließt Kindergärten und Schulen.

Auf der eigenen Baustelle gibt es momentan genug zu tun.

(msc)

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6 Antworten zu Das Problem mit den Waldorfschulen und die Pädagogik Rudolf Steiners

  1. Kai sagt:

    Vorweg, ich schicke meine Kinder auf eine WS.
    Ein seltsamer Artikel finde ich. Du springst von einem Thema zum anderen hast viele liks gesetzt aber selbst wohl nicht so richtig recherchiert:
    „Von “Rassen” sei da die Rede, von “Negern” usw.“

    siehe LINK: Rudolf Steiner Zitate

    sehr witzig finde ich auch die Formulierung:“…bis vor kurzem noch der Geheimtipp unter den schillernden Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft waren.“

    Die zahlreichen Personen aus Politik und Gesellschaft sind bezeichnend.
    siehe LINK: die Waldorfs, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) Michael Rogowski

    Klar weil auf der waldofsseite eben nur die Prommis stehen. Unsere Waldorfschule liegt im ländlichen Umfeld und Familien, die ihre Kinder dorthin schicken sind seit über 30 Jahren ganz normale Leute vom Land.

    Es ist sicherlich richtig zu erwähnen, dass auch Kinder aus ganz „normalen“ Familien auf Waldorfschulen und in Waldorfkindergärten gehen. Wobei man anmerken muss, dass die Gesellschaftsstrukturen auf dem Land nicht mit denen der Stadt vergleichbar sind.

    Egal, ich freu mich imer wenn mal was über WS gebloggt wird.
    Gruß
    Kai

    Ausgezeichnet!

  2. Lea sagt:

    Das Problem bezüglich der Antroposophie ist doch vielmehr, dass sie sich immer wieder auf Steiner beruft, das die Waldorflehrerseminare auf Steinerschem Idealgut wurzeln, dass es immer wieder heißt „…sagte Steiner“. Die Idee der Waldorfschule, die wir in ähnlicher Form auch bei Montessori oder Freinet finden als solche ist nicht schlecht. Wir sprchen von Schlagworten der Individualität, Entwicklung und Natur des Kindes. Dennoch finde ich es fatal, dass du rassistisches Gedankengut der antroposophischen Lehre Steiners damit entschuldigst, dass das ganze dem Zeitgeist entspringt!

    Das ist keine Entschuldigung, sondern eine Erklärung. Es entspringt dem damaligen Zeitgeist, daran besteht kein Zweifel. Genaugenommen müssten große Teile der europäischen Literatur umgeschrieben werden – Werke großer Dichter und Denker – wenn wir den Gedankengang konsequent weiterverfolgen (wahrscheinlich ist das auch der nächste logische Schritt). Wir sollten uns langsam daran gewöhnen, dass die Menschen der Vergangenheit andere Ansichten und eine ihrer Zeit typische Ausdrucksform hatten. Das vom heutigen Standpunkt aus zu bewerten ist manchmal mühselig. Wer weiß, wie unsere Ansichten in 100 Jahren bewertet werden. Man darf gespannt sein, auch wenn wir das nie mehr erleben werden…Wahrscheinlich wird unsere Unterhaltung hier als äußerst lustig empfunden. Wie sagt doch der Volksmund: „Hinterher war man immer klüger“.

    Selbst wenn dem so wäre (und mit Sicherheit ist Steiner als eines der Kinder der europäischen Reformpädagogik zu begreifen), wäre es allemal von Nöten, dass sich Waldorfschulen und die Antroposophie heute von diesem gefährlichen Gedankengut distanzieren, dass diese Pädaogik ihre Ideen endlich in unserem Zeitgeist denkt un nicht immer auf das „…sagte Steiner“ zurückkehrt. Wahrscheinlich kann man einigen reformpädagogischen Erben ähnliche Vorwürfe machen. Allerdings finde ich an Steiners Pädagogik immer wieder befremdlich, dass sie das ganze Leben wie einen blauen Faden auf der antroposophischen Lehre gründet und Steiner dahezu einen deus ominpotentus darstellt. Genau aus dieser Undurchschaubarkeit und der hierachischen Struktur der antroposophischen Gemeinschaft, die für mich nicht genug Tranzparenz aufweist würde ich sehr genau darüber nachdenken, ob ich mein Kind auf eine Waldorfschule schicken würde. Letztlich bleibt aber zu enden, dass es viele gute und schlechte staatliche Schulen gibt und mit Sicherheit dementsprechend auch gute und schlechte Waldorfschulen. Das geistige Fundament ist nur ein Teil und macht eine Schule nicht automatisch zu einem Erfolg.

    Der schlechte und schädigende Einfluss von Waldorfschulen auf die Gesellschaft bleibt erst noch nachzuweisen. Bisher sieht es eher so aus, als wenn Waldorfschulen viele fähige Köpfe hervorgebracht haben, die das kulturelle leben der Gesellschaft heute bereichern ( Ausnahmen gibts natürlich immer ). Der gesellschaftschädigende Einfluss der Sozialpolitik ist allerdings schon längst nachgewiesen – und bedarf keiner weiteren Erläuterungen. An ihren Früchten soll man sie auch erkennen!
    Insofern: Auf den eigenen Baustellen gibt es momentan genug zu tun.

  3. Hallo,

    in diesem Artikel schreibst Du über unsere Website, mit derem Hauptbestandteil, der Internationalen Liste prominenter Ex-Waldorfschüler. Du schreibst „Die Waldorfs, lese ich neugierig, sind eine große internationale Familie.“ Nirgendswo steht oder hat solch ein Ausspruch auf unserer Seite jemals gestanden. Auch, wenn dieses ausgedachte Zitat jetzt inhaltlich eher unproblematisch ist – es zeugt nicht gerade von journalistischer Sorgfalt. Nur mal so als Anmerkung.

    Viele Grüße
    C. Jauernig
    dieWaldorfs

    Hallo, Herr Jauernig,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Sicher haben Sie recht, dass der Satz leicht missverstanden werden kann, wir werden den Satz deshalb ändern.

  4. matthias sagt:

    ich finds immer echt witzig wie so einige meinen irgendwas zu steiner und vorallem dessen angeblichen rassismus sagen oder schreiben zu müssen. wenn du mal selber die angeblich rasiistischen angaben von dir auf wicki gelesen hättest wüßtest du daß das garnicht sein kann. genau das selbe gilt für dich lea, ich geb dir mal ein ganz einfaches bsp. in einer waldorfschule gibt es ein kolegium und an einer anderen schule einen rektor und jetzt eine ganz einfache frage wo ist hier die hirarchie? beim rektor oder beim kolegium? ich schließe mit einem deiner link angaben.

    „Kann man etwas nicht verstehen, dann urteile man lieber gar nicht, als dass man verurteile.“ – Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten: rudi

    vlg matthias

  5. Leoni Gleese sagt:

    c.jauernig ist ein gutes beispiel für dies weig miesglaunten Waldorfs. Schade! Überhaupt sind die Waldorfs an ihrer schlechten PR selbst schuld. Ein Beispiel: http://www.waldorfbazar.de

  6. Sternschnuppe sagt:

    Hallo liebe Waldorfanhänger,

    persönlich bin ich komplett kuriert von der Walddorfpädagogik. Meine Tochter war 3,5 Jahre in der Talander-Schule in Wangen.
    Es war die schlimmste Schulzeit im Leben meiner Tochter und es waren verlorene Jahre, die wir jetzt in mühsamer Kleinarbeit wieder aufholen müssen. Mobbing war dort an der Tagesordnung viele der sog. schwererziehbaren Kindern wird Ritalin oder ähnliche Subtanzen empfohlen. Ein leichter Weg, Kinder und Jugendliche der Pharmaindustrie auszuliefern!
    Mein Artikel und meine Warnung an alle Eltern kann jedermann nachlesen unter folgendem Link:

    http://www.dooyoo.de/bildungsanstalten/freie-waldorfschule-mannheim/1435366/

    Ich bereue es bis heute zutiefst, mich jemals auf diese Erziehungsform eingelassen zu haben und diesen Leuten vertraut zu haben.
    Von wegen auch, jeder bezahlt nach seinem Geldbeutel…
    Sollte jemand in Hartz 4 rutschen hat er bei Waldorf schlechte Karten.
    Sogar eine Beschwerde beim zust. Schulamt half nicht weiter, diese Schule wird jetzt auch noch staatlich unterstützt.

    Es war die reinste Hölle, eine neue Schule für meine Tochter zu finden. Man hatte sie dort regelrecht fallengelassen und wollte sie letztendlich für „unbeschulbar“ erklären.
    Aber unser Vater Staat finanziert solche ANSTALTEN auch noch, weil es immernoch billiger ist als andere Privatschulen.
    Natürlich, wenn es ein PROMIKIND ist und die Kasse stimmt wird man sich hüten so mit einem Kind umzugehen.

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