Die Gesellschaft der Schwarzen Raben – Interview mit Caine und Karim (Jentown Crhyme) Teil2


©Bildmaterial: Jentown Crhyme Records – Crew

Sie kommen aus Jenfeld, einem der sozialen Brennpunkte Hamburgs. In Ihren Texten rappen sie über das Leben auf der Straße. Das Leben in den sozialen Problemvierteln Hamburgs, in denen sich Politiker nur selten sehen lassen.
Das Leben auf der Straße macht hart, nur wer sich durchsetzt, kann sich behaupten.
Aber es hat auch viele Schattenseiten, denn man rutscht schnell in die Kriminalität, wo das „schnelle Geld“ lockt.

In deutschen Städten lebt mittlerweile eine Straßenjugend mitten in der Identitätskrise: Sie sind Schwarze Raben, ohne Ausbildungsplätze, gut bezahlte Jobs, mit Aussichten auf Hartz-IV, Polizeiknüppel und mit düsteren Perspektiven. Ihr einziges Sprachrohr: Der Rap von der Straße.
Reporter von JungeMedien Hamburg waren im Problembezirk Jenfeld vor Ort:

Was ist für Euch das spezielle am Streetlife?

Karim: Auf der Straße lernt man viel, was man in der Schule nie lernt. Das Leben ist die beste Schule.

Caine: Aus dem „Streetlife“ kommt man nicht so einfach raus. Das ist wie ein Teufelkreislauf.
Aber irgendwann hängst du so lange darin, dass du anfängst deine Träume zu entwickeln und die auch durchzuziehen. Früher war das noch mehr mit Ganglife und das man mit Gangs auf der Straße abgehangen hat, aber das hat sich mittlerweile alles etwas gelegt. Irgendwann wird man auch älter und denkt sich: „Was bringt es mit Gangs auf der Straße rumzuhängen, wenn ich immer noch kein Geld in der Tasche habe?“ Karim ist mittlerweile Familenvater und muss auch zusehen, wie er sein Leben organisiert kriegt.

Das einzige gute, was ich daran sehen kann, ist dass sich dein Charakter dadurch formt. Man entwickelt eine starke Persönlichkeit, wenn man das heil durchgestanden hat.
Vor allem kann man seinen Kindern später viel darüber erzählen, was falsch ist.
Man kennt die Grenzen und hat selber viel erlebt. Man gewinnt auch eine Menge an Menschenkenntnis und lernt die Dinge richtig Einzuschätzen. Auf jeden Fall verliert man auf der Straße schnell seine Naivität.

Karim: Auf der Straße wird man viel ausgenutzt und verarscht. Das ist auch der Grund, warum man dadurch schnell seine Naivität verliert und sich dagegen immunisiert. Man ist sozusagen mit allen Wassern gewaschen.

Gibt es auch Dinge, die Ihr am Streetlife hasst?

Caine & Karim: Ja. Zum Beispiel die ständigen Geldprobleme, die jeder auf der Straße hat. Geld ist einfach ein knappes Gut unter vielen Leuten auf der Straße.

Caine: Wir stecken schon viel zu lange in so einem Scheiß drinnen, ich bin mittlerweile siebenundzwanzig. Ich bin kein dummer Mensch, ich hätte damals auch mein Abitur schaffen können, aber verschiedene Situationen haben mich halt davon abgehalten. Wenn man da einmal drinnen steckt, dann kann man halt nicht so schnell wieder zurückkehren und ein gepflegtes Leben führen, wo man dann in Ruhe sein Abi macht.

Karim: Ich kann jetzt auch nicht einfach mit Schule anfangen, wenn ich zuhause eine Frau und ein Kind habe. Schließlich brauchen wir auch Geld. Man ist einfach schon zu weit gegangen, um jetzt wieder zurück zu gehen, und was komplett neues anzufangen.

Was kann die Politik nach Eurer Meinung tun, um das Leben in sozialen Brennpunkten zu verbessern? Was sind ihre Versäumnisse?

Caine: Die Politiker müssen auf jeden Fall mal damit anfangen, sich mit den Realitäten auf der Straße auseinander zu setzen. Und damit meine ich richtiges auseinander setzen, nicht immer so ein oberflächliches, wie das meistens in der Politik üblich ist.

Die Politiker von heute verstehen die Probleme der Jugend überhaupt nicht mehr.
Das können sie auch gar nicht, weil sie nie hier sind. Wenn sie nie auf der Straße oder in den U-Bahnen sind, dann können sie das auch nie verstehen. Mir ist hier in den letzten zehn Jahren kein Politiker über den Weg gelaufen, der sich ernsthaft mit den Belangen der Bevölkerung auseinandergesetzt hätte. Hier wird wenig gefördert, es fängt schon in der Schule an, wo die Lehrer bereits keinen Bock mehr auf ihre Schüler haben. Man hat das Gefühl, die wollen Größenteils nur noch ihre Zeit absitzen, um sich dann aus diesem Sumpf zu verabschieden.
Auf den Arbeitsämtern sieht es auch nicht viel besser aus. Der Staat ist ja nicht mal mehr in der Lage, denen die arbeiten wollen, eine Arbeit zu vermitteln, die wenigstens einigermaßen den Vorstellungen entspricht. Stattdessen wird man für einige Euros zum Putzen geschickt. Das motiviert die Jugend natürlich nicht gerade, denn jeder arbeitet viel lieber, wenn ihm die Arbeit auch Spaß bringt. Vor allem werden überall die Gelder gekürzt und die Leute werden für einige Euros zum Arbeiten geschickt.
So kommen gerade Jugendliche schnell in die kriminelle Schiene rein und lernen dort „schnelles Geld“ zu machen. Dort lecken sie dann Blut und es gefällt ihnen – und dann wird es unheimlich schwer, sich in die normale Gesellschaft wieder einzugliedern.
Dann bauen sie bei uns in den sozialen Brennpunkten Spielhallen auf, an denen der Staat mitverdient. Da werfen die Leute dann schön ihr Hartz-IV-Geld rein, und kommen so nie aus dem Sumpf raus.
Auf die Wünsche junger Menschen wird überhaupt nicht eingegangen. Ausbildungsplätze gibt es vom Staat auch nicht. Es geht im diesen Land nur noch um Arbeitslosenstatistiken, die irgendwie bereinigt werden müssen.

Man wird außerdem das Gefühl nicht los, dass die Politik alles versucht, um die Leute in ihren Vierteln zu halten, damit sie sich bloß nicht außerhalb ihrer Viertel bewegen.
Dann bauen die hier ein schönes Kino ein paar Spielhallen und so weiter auf, damit die Leute hier beschäftigt sind.

Karim: Es sieht so aus, als wenn man alles vor die Tür gestellt bekommt, damit man sich nicht großartig aus seinem Viertel herausbewegen muss. Fast so, als wenn da ein System hinter steckt. Als wenn sie damit etwas erreichen wollen. Mittlerweile geht hier keiner mehr weit weg – nicht mal mehr in die Innenstadt -, weil alles vor der Haustür ist. Man lebt hier mittlerweile isoliert in seiner eigenen kleinen Welt.

Ihr habt sehr gute Künstler am Start. Was sind die neusten Projekte von Jentown Crhyme Records und wo seht ihr Euch in den nächsten drei Jahren?

Caine: Wir haben einige neue Künstler und am 29. Februar ist die Release-Party von BoneZ MC für sein Mixtape „Mehr geht nicht“ im Bunker in der Feldstraße. Als nächstes kommt sein Album raus, er hatte auch gerade einen Videodreh. Dirty – auch bei uns – macht gerade sein Mixtape, Karim macht auch ein neues Mixtape und mein Album kommt diesen Sommer raus.
Von uns werden auch bald ganz neue Sachen kommen, die man bisher gar nicht gewohnt ist.
In den nächsten drei Jahren sehen wir uns hoffentlich mal auf MTV.

Interview: JMH-Reporter Schulz

Teil 1 Die Gesellschaft der Schwarzen Raben
Teil 2 Streetlife und Hip-Hop


www.jentown-crhyme.de

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6 Responses to Die Gesellschaft der Schwarzen Raben – Interview mit Caine und Karim (Jentown Crhyme) Teil2

  1. denis sagt:

    ich wollte wissen warum jentown crhyme nicht mehr soviele videos raus bringt. und kommt mal ein video auch auf mtv und auf viva. und kann man auch was im radio fun was hören?

  2. RitterDN sagt:

    Was für ein Blödsinn!!!
    Immer schön dem Leben „Straße“ die Schuld für das eigene Unvermögen geben. Wenn man zu faul ist, die Schule vernünftig zu absolvieren, bekommt man natürlich auch keinen Job. Allerdings gäbe es ja dann noch die Möglichkeit, die Schulausbildung nachzuholen. Aber dann kommt so ein dämliches Geschwafel von „dem harten Leben auf der Straße“. Alles immer den Ami’s nachplappern…

    Ich bin selber „Ur- Jenfelder“ und habe bis zum heutigen Tage noch nichts von dem sogenannten harten Leben auf unseren Straßen feststellen können. Hier und da mal ein paar Bekloppte, die gibt es allerdings überall…

    Also, vielleicht mal nicht anderen Leuten oder anderen Umständen die Schuld geben, sondern sich vielleicht mal selber an die Gummel packen und das Hirn einschalten…!!!

  3. sabrina sagt:

    Oh Nein. SO wanna be Gansta.
    Jungs hier habt doch nichts besseres zu tun als wanna be Gansta zu spielen. Echte Männer machen was aus ihrem Leben und jammern nicht rum, wie hart ihr Leben ist.
    Ihr meint krass zu sein. LÄCHERLICH!!!

    Geht mal in die Ghettos nach Brazil und Afrika. Da Leben Menschen in der Armut und schämen sich wenn sie aus der Not heraus Verbrechen begehen und Drogen verticken müssen.

    Schreib euch ein großes L auf die Stirn!

  4. Püppchen sagt:

    Hey Puppe, vergess mal nicht, dass die in den brazilianischen Ghettos auch Frauen vergewaltigen und Leute abknallen. Dass die sich anschließend dafür schämen, ist mir neu. Vielleicht solltest Du Deine
    tollen Sprüche in einem der sozialen Brennpunkte auf der Welt zum Besten geben…Die Welt braucht unbedingt solche geilen Sprüche von wanna be Experten

    Schreib Dir ein großes PE auf die Stern „Püppchen Experte“

  5. Jc sagt:

    Ich finde es scheise das JC keine vviedeos merr am stat habt jentown komt wieder nach jenfeld

  6. Juli sagt:

    JC gibt es leider nicht mehr…

    @RitterDN:
    Es ist schwer sobald man in einen Brennpunkt Bezirk wie Jenfeld wohnt, da raus zu kommen. Ich bin in Jenfeld aufgewachsen kamm aber aus anderen Gründe raus, und ich weiß wo von ich Rede bzw. Karim & Caine.
    Es hat nix mit faul zu tun oder so, man bekommt dauert diese hoffungslosigkeit mit in diesen Stadtteil und hat dauernd Geldprobleme, bzw als Kind/Jugendlichen Family Probleme die dafür Sorgen das man sich auf das eigentliche wichtige wie Schule nicht mehr durchzieht mit voller Leistung.

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