Hamburger Käfig – Freefight / Bloodsport, oder Kampfsport? Bilanz eines Freefight Abends


©JungeMedien Hamburg/M.Schulz

Die Freefightveranstaltung „Hamburger Käfig“ fand in gehobener Atmosphäre im Delphi Showpalast statt. Auf der Empore im VIP- Bereich konnte man beim köstlichen Büffet und Champagner die Kämpfe ansehen. An den Tischen im Parterre wurde in den Pausen ebenfalls reichlich zu Essen und zu Trinken bestellt. Bei fröhlicher und geselliger Stimmung feuerten die Zuschauer die Kämpfer an. Im Publikum waren schwere Jungs vom Hamburger Kiez, die Hamburger Polizei in Zivil und viele sportbegeisterte Freefight-Fans. Die körperliche Auseinandersetzungen blieben an diesem Abend allerdings auf den „Cage“ ( Box-Käfig ) beschränkt.

Fotostrecke: “Hamburger Käfig 2007 – Delphi Showpalast”

Unter den zahlreichen Zuschauern waren männliche und weibliche Kämpfer vom Gym Kwan, Feuersports und Gracie Barra. Der Gewinner vom Grappling-Turnier in der Eifel. Alper Eger vom Gracie Barra Team hatte angekündigt, bei der nächsten Veranstaltung im April vielleicht auch mitzukämpfen. Auch aus den sanfteren inneren Kampfkünsten waren Vertreter anwesend. Die international anerkannte Autorität im Taiji Chen- Stil Jan Silberstorff verfolgte das Geschehen dezent von der Empore aus. Vor den Kämpfen wurde das Publikum von einer sexy Stripshow mit Kerzenwachs- und Öl- Spielchen aufgeheizt. Danach wurden die Kämpfer des Abends auf der Tribüne vorgestellt. Neben professionellen Freefightern traten auch Kämpfer mit anderen Kampfstil Hintergrund an, die sich jetzt auch im Freefight beweisen wollten. Darunter Kämpfer und Kämpferinnen aus den Disziplinen Muay Thai, Karate, Krav Maga, Wing Chun, Judo und vielen mehr. Es hatte hier noch etwas von den Anfängen der amerikanischen „The Ultimate Fighter“ – Veranstaltung, wo diverse Stile gegeneinander antraten, bevor sich Mixed Martial Arts, MMA, zu einer eigenen Disziplin entwickelte. Die Kämpfer bewiesen gute Stand Up-Kenntnisse ( Schlagen und Treten im Stand ) , sowie Grappling-Fähigkeiten (Runterbringen des Gegners, Ansetzen von Aufgabehebeln und Würgern am Boden).

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Mit den Filmen „Bloodsport“ und „Fight Club“ nicht vergleichbar
Ob Frank Dux, dessen umstrittene Biografie die Vorlage für den Film „Bloodsport“ lieferte, beim vermeidlichen Untergrundkampf auch gegen so runde Kämpfer antreten musste, bleibt zu bezweifeln. Die Damen gönnten sich nichts im Käfig und lieferten einen spektakulären, aber auch sehr harten Kampf ab. Dennoch war die Veranstaltung nicht so brutal wie im Film „Fight Club“ dargestellt. Einer der ersten deutschen Freefighter, Andreas Stockmann, garantierte mit seiner Erfahrung als Ringrichter für die Sicherheit der Kämpfer. Sein schneeweißes Hemd blieb den ganzen Abend über weiß und blutfrei. Jeder Kämpfer hatte die Möglichkeit durch Abklopfen bei Submissions (Hebel oder Würgern) den Kampf zu beenden. Mehrere Kämpfe wurden auf diese Art entschieden. Darunter waren die Techniken „Guillotine“ ( ein Halswürgegriff ) und „Triangel Choke“ ( ein Würger mit den Beinen).
Wenn der geschlagene Gegner keine vernünftige Abwehr zeigte und zu lange in der Deckung blieb, wurde der Kampf vom Ringrichter abgebrochen und für den Sieger/Siegerin durch TKO entschieden. In den Pausen heizten die Ringgirls in aufreizenden Militäruniformen das Publikum an.


Videos zu: „Bloodsport“ (YouTube)

Highlight des Abends „Katze“ gegen „Bulldogge“
Der wohl spektakulärste Kampf des Abends war der von Phillip „die Katze“ Höhne. Er siegte blitzschnell in zwölf Sekunden durch KO. Seine riesige Fangemeinde war begeistert und rief unter Jubel „Die Katze ist Back!!!“. Auch sein Trainer vom Boxkeller in der Ritze und sein gesamtes „Team Peter“ waren stolz, dass er den Kampf im Stehen boxerisch entschieden hatte.
Auch Kamil Lipski vom Gym Kwan, der zuvor auf dem Grappling Turnier Summer Slam den ersten Platz gemacht hatte und an diesem Abend seinen ersten Freefight hatte, lieferte einen schönen Kampf. Erst zeigte er einen „Takedown“ ( zu Boden Werfen des Gegners), danach Kontrolle am Boden und schließlich „Ground and Pound“ (das Fixieren des Gegners am Boden unter Einsatz von Schlägen). Bei seinen Leistungen und mit seinem Hintergrund aus dem Ringen ist Kamil Lipski ein großes Nachwuchstalent und könnte eine feste Größe im deutschen Freefight werden. Vor allem auf Grund der Tatsache, dass er trotz einer Verletzung am Daumen beim Pratzentraining dennoch zum Kampf antrat und entschieden siegte, bewies er sein Kämpferherz.

Fazit
Dieser Abend hat einmal mehr bewiesen, dass Sport Ansichtssache ist.
Der Freefight gehört zu Recht zu den Extremsportarten. Trotz der vielen breiten Jungs und anfänglichen Befürchtungen, dass Blut ins Publikum spritzt oder von oberhalb die Sektflaschen geworfen werden, lief die ganze Veranstaltung sehr sportlich und diszipliniert ab. Am Anfang der Veranstaltung wurde das Publikum darauf hingewiesen, dass sich unter den Zuschauern Polizisten in Zivil befinden. An den Eingängen waren private Sicherheitsleute, die ihren Job ebenfalls gut gemacht haben. Der Ringsprecher hatte stets einen lockeren Spruch auf der Lippe. So machte er während der Pause darauf aufmerksam, dass eventuell ausgeschlagene Goldzähne bei ihm abzugeben wären.
Die Kämpfe waren mit Thaiboxen oder Kickboxen nicht vergleichbar. Schon wenige Sekunden nach der Kampferöffnung ging der Kampf am Boden weiter – und es wurde mehr oder weniger mit Klammer- und Würgegriffen gearbeitet.

Den Reportern von JungeMedien Hamburg wurde an diesem Abend kein Haar gekrümmt. Der Besuch des Hamburger Käfigs hat sich gelohnt. Alleine schon deshalb, um das Spektakel einmal selbst gesehen zu haben.
Nach dem Vorbild der USA, Japans und Brasiliens, versucht nun auch die deutsche Freefight-Szene, sich von einem blutigem Untergrund-Spektakel zu einem legitimen Wettkampfsport zu entwickeln.
Wie sich die Zukunft des Freefights in Deutschland entwickeln wird, bleibt abzuwarten.

(sej) / (msc)

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7 Responses to Hamburger Käfig – Freefight / Bloodsport, oder Kampfsport? Bilanz eines Freefight Abends

  1. Freefight – die Antwort auf die Frage nach dem stärksten Mann:

    In Deutschland gibt es Meister im Judo, Ringen oder Boxen, Schwarzgurte in Karate und Kungfu – aber welche Kampfkunst sollte man am besten lernen?

    Keine Frage wurde in Kampfsportkreisen so oft und hitzig diskutiert, immer ohne greifbares Ergebnis. Dabei wurde mit dem Ultimate Fighting eine Möglichkeit geschaffen, diese Frage zu beantworten. Sperre zwei Kämpfer in einen Käfig und lasse sie ohne Regeln kämpfen, bis einer aufgibt.

    Manche behaupten, Freefight sei kein Sport. Vielleicht haben sie nur Angst, ihre Idole verlieren zu sehen. Würde ein Klitschko sich trauen, in den Käfig zu steigen?

  2. Chris sagt:

    Stimmt freefight sehe ich nicht unbedingt als Kampfsport an, den wirkliche Regeln sollte es dort nicht geben. Zwei gehen rein einer kommt raus das ultimative Kräfte messen. Ich selbst komme aus dem Nahkampf und dort hat Sport nichts zusuchen. Wenn ich Sport will gehe ich Joggen.

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