Rhythmus und Kampfkunst in der Hafenstadt – “1st Afro Asiatic Martial Arts Magic Night”


©M.Schulz/ Mestre Paulo Siqueira und Emanuel Bettencourt (rechts) eröffnen die Show

Das Event “1st Afro Asiatic Martial Arts Magic Night” fand im Knust ( Ex-Schlachthof) passend zwischen den beiden Szenevierteln Schanze und Karoviertel in Hamburg statt. Dort, wo man auch sonst mal einigen Rastafaris über den Weg läuft und mit etwas Glück Capoeiristas im Schanzenpark oder in der Passage vom Schlachthof beobachten kann, war die Show geschickt inszeniert worden.

Mit jeder Performance wurde das Tempo etwas mehr angehoben. Die Wechsel zwischen den Elementen Kampfkunst, Musik und Tanz verschmolzen zum Ende hin immer mehr zu einer Einheit. Das Publikum war begeistert und spendete reichlich Beifall. Die anwesenden internationalen Gäste verstanden es meisterhaft das Publikum mit einem Mix aus Rhythmus und Kampfkunst zu unterhalten. Im applaudierenden Publikum gab man sich die Mühe, auch portugiesische Texte mitzusingen. Die Veranstaltung war im Rahmen des “21st Capoeira Summermeeting”, das seit 1988 jedes Jahr in der Hansestadt stattfindet und eine der größten Capoeira- Veranstaltungen außerhalb Brasiliens ist.

Präsentation afro-asiatischer Kampfkünste
Sifu Emanuel Bettencourt vom Taiyo Sportcenter und Capoeira-Meister Paulo Siqueira hatten in Hamburg zu diesem Event geladen. Der Einladung waren zahlreiche Gäste und Capoeira-Fans von überall her gefolgt. Emanuel Bettencourts Schüler aus dem Taiyo Sportcenter demonstrierten Capoeira und eine Fülle von asiatischen Kampfkünsten aus China, Thailand und den Philippinen. Zwischen dem philippinischen Stockkampf und dem brasilianischen Capoeira existieren Parallelen: Beide Kampfkünste wurden ursprünglich im Geheimen trainiert und als Tänze getarnt. Die Philippinos mussten ihre Training vor den spanischen Besatzern genauso verbergen, wie die Afro-Brasilianer vor den portugiesischen Sklavenhaltern. Dies hatte zur Folge, dass die Bewegungen sehr spielerisch, tänzerisch und fließend wurden.

Magic war der Abend nicht nur, weil die Darbietungen das Publikum verzauberten. Sifu Emanuel Bettencourt präsentierte sich humorvoll in einer Kampfchoreographie als magischer Kiai-Meister. Seine wahre Beherrschung der Chi-Kräfte stellte er später in einer spektakulären Darbietung des sogenannten harten Chi Gongs dar. Wie die Shaolinmönche vermochte er sein Chi im Hals zu sammeln, wodurch er einen an den Hals gehaltenen Speer durchbiegen konnte, während ihm ein Schüler mit einem Tritt in den Rücken sprang. Wie die meisten traditionellen Kampfkünste, so sind auch das Kung Fu, der philippinische Stockkampf und das Capoeira mit religiösen und magischen Vorstellungen verwoben. So gab es im afro- brasilianischen Kampftanz Capoeira früher auch starke Beziehungen zum afro- brasilianischem Besessenheitskult Candomblé.

Zwei der Capoeiristas schienen farbige Perlenketten zu tragen, die denen ähnlich sind, die im Candomblé dem Orixa (Yoruba-Gott) Ogun geweiht sind. Anzeichen von Geistesbesesssenheit konnten wir jedoch nicht wahrnehmen. Das Publikum geriet jedoch durch die Livemusik der afrikanischen Trommler immer mehr in Trance. Das Spiel des Capoeira, wobei die Capoeiristas und das Publikum den Rhoda (portugisisch Kreis) bildeten, hatte schon etwas magisches. Die Akrobatik der Capoeiristas schien die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft zu setzen. Die alten Mestres demonstrierten, dass das Alter für die Beweglichkeit und Gelenkigkeit keine Grenze darstellt. Ein Mestre bewegte sich nach seiner akrobatischen Performance scheinbar wie ein gekrümmter alter Man. Auch dies ist Teil des Capoeira und heißt Malicia (portugiesisch Tücke).

Bindeglieder zwischen Capoeira und Breakdance
Ein weiteres Bindeglied zwischen dem Kung Fu und Capoeira bildet der Breakdance, der an diesem Abend auch nicht gefehlt hat. Die ersten B-Boys und B-Girls (auch Breaker genannt) ließen sich für ihre Bewegungen vom Capoeira und Kung Fu-Filmen inspirieren. Ein wesentliches Element des Breakdance, das “Battle” (englisch Schlacht), hat ja auch etwas kämpferisches, während der im Hip Hop und Breakdance so wichtige Beat seine Wurzeln in der afrikanischen Trommelmusik hat. Die Trommel begleitet den spielerischen Kampftanz der Capoeiristas genauso, wie den traditionellen philippinischen Stockkämpfer.

Insgesamt bot der Abend dem Zuschauer einen umfassenden Einblick in die Welt und den Zauber der afrikanischen und asiatischen Kampfkünste. Sicherlich ein unverzichtbares Highlight für Kampfkunstbegeisterte der Hansestadt, das man sich für das nächste Jahr schon einmal im Kalender anstreichen sollte.

(sej/msc)

weitere Informationen:

www.taiyosportcenter.deaawww.capoeuropa.com

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7 Antworten zu Rhythmus und Kampfkunst in der Hafenstadt – “1st Afro Asiatic Martial Arts Magic Night”

  1. Elcom sagt:

    Großartige Show.. und das Knust ist auch einfach ne geile Location – war leider jetzt schon lange nicht mehr dort…

  2. [...] Rhythmus und Kampfkunst in der Hafenstadt – “1st Afro Asiatic Martial Arts Magic Night” » [...]

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  5. [...] heute immer noch eine tiefe Freundschaft. Damals entwickelten sie beide auch ein Interesse für die afro-brasilianische Kampfkunst Capoeira: Der Kampfkunst, die aus brasilianischen “Sklaventänzen” entstanden war. Auf seiner [...]

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