Afrikanische Rollstuhlfahrer kämpfen um Platz bei den paralympischen Spielen in China – Im Gespräch mit Frank Tarmena


©JungeMedien Hamburg/R. v. Dreden – Wasiu Yusuf beim Training in Nigeria

Bei den kommenden Paralympics in Peking hat niemand mit einer Teilnahme von Wasiu Yusuf gerechnet. Der nigerianische Rollstuhltennisspieler hat sich überraschenderweise für die paralympischen Spiele qualifiziert, in einer Sportart die den meisten Menschen unbekannt ist. Rollstuhltennis ist auch für die Afrikaner ganz neu und das erklärt auch, warum Wasiu Yusuf trotz seines beachtlichen Erfolges in seiner Heimat völlig unbekannt ist. Er ist der einzige Schwarzafrikaner im Rollstuhltennis der kompetitiv mit der Tennisweltklasse mithalten kann und das auch mehrere Male unter Beweis gestellt hat. Vor allem mit seinem Sieg im Polokwane Tennis Club, Limpopo, Südafrika im Oktober 2007 hat er einen gewaltigen Paukenschlag gelandet.

Fotostrecke: “Afrikanische Rollstuhlfahrer bei den Paralympics in China”

Er war dort schlechthin der Überraschungsmann, der ohne Satzverlust ins Finale gestürmt ist und in drei spannend umkämpften Sätzen dann auch noch das Finale gewann. Die ITF (International Tennis Federeration) vergab ihm prompt eine Wild Card für die paralympischen Spiele, in denen er gehobenen Hauptes sein Land vertreten wird. Doch einfach ist es für ihn und sein Team nicht. Anders als in Deutschland, wo bekannte Gesichter wie Nicholas Kiefer, Anna Lena Grönefeld, oder der Manager vieler Spitzenspieler Dirk Hordorf ihr Möglichstes tun, dem Rollstuhltennis seine Aufmerksamkeit zu geben, tut der Nigerianische Tennisverband wenig, um den Nachwuchs zu fördern und aktive Spieler zu unterstützen.

Nicht nur innerhalb der Politik in Nigeria steht die Korruption an der Tagesordnung. Das bekamen vor allem die nigerianischen Tennisspieler in der Vergangenheit zu spüren. Es wird an allen Enden gespart und das Geld endet überall, nur nicht da, wo es hingehört und am nötigsten gebraucht wird. Frank Tarmena, Hauptcoach des Rollstuhl Tennis Department der nigerianischen Tennis Federation, erzählt uns, was sich zur Zeit in seinem Land abspielt.

Mr. Tarmena, was gibt es über die aktuelle Lage im nigerianischen Rollstuhltennis zu berichten?

Im Rollstuhltennis findet zur Zeit eine ganz besondere Entwicklung statt. Das alles begann vor ein paar Jahren, als wir diese für Nigeria neue Sportart erstmals in den Schulen vorstellten und somit auch auf der Straße, wo man ja den Großteil der Behinderten Menschen antrifft. Und heute ist Rollstuhltennis inzwischen ein geläufiger Begriff. Allmählich breitet sich Tennis auf dem ganzen afrikanischen Kontinent aus. Als nationaler Tenniscoach habe ich das Privileg im Auftrag der ITF in andere Länder, vor allem Entwicklungsländer, zu reisen und das Spiel dort den Rollstuhlfahrern vorzustellen und attraktiv zu machen. Ziel ist es, Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu integrieren und ihre Selbstständigkeit sowie ihr Selbstvertrauen zu stärken.

Wenn ich mich hier so umsehe, fällt mir ganz stark auf, dass die Ausrüstung – vor allem die Rollstühle – veraltet sind und wahrscheinlich nicht einmal den europäischen Sicherheitsvorschriften entsprechen würden. Wo landet das für die Sportler nötige Geld für Reisen, Ausrüstung und Akkomodation? Immerhin sind bei den paralympischen Spielen die einzigen afrikanischen Vertreter des Tennissports aus Nigeria!

Das ist eine gute Frage. Zu allererst, Sie als Europäer mit einem deutschen Vater und einer nigerianischen Mutter, können sich über das korrupte System in Afrika nicht bewusst sein. Korruption ist in unseren Staatsmännern endemisch verankert. Das beantwortet ja auch schon weitgehend Ihre Frage. Jährlich wird von den Sportministerium ein Budget für Sportsponsoring vergeben. Doch wo gelangt das Geld hin? Es endet in Händen, die man nicht anzweifeln darf, weil dort die Befehlsgewalt liegt. Hände die man nicht anzweifeln kann, weil sie dich einfach nur abweisen. Die Obrigkeit hat nichts gutes im Sinne als nur ihre eigenen Taschen zu füllen. So eine verfehlte Geldpolitik existiert zwar in allen Ländern, doch in Afrika ist sie leider am schlimmsten.

Trotz wenig Erfahrung, ungenügenden Fördergeldern, fehlendem Training und Equipment welches dem internationalen Standard nicht gerecht werden kann, nehmen Ihre Jungs Wasiu Yusuf und Jude Nwasie an Turnieren teil, gewinnen und qualifizieren sich dann auch noch für die paralympischen Spiele! Woher rührt der Erfolg Ihrer Spieler?

Thank God. In diesem Fall hat uns Gott mächtig unterstützt. Ich glaube an mich selbst und denke, dass ich auf diese Welt mit einer Mission gekommen bin. Ich sehe es als meine Aufgabe, das Wissen rund um den Tennis den jungen Menschen mitzuteilen. Ich habe einen starken Willen und werde es auch ohne Gelder schaffen, Dinge zu bewirken. Als akkreditierter ITF Coach gebe ich nebenbei Privatunterricht. Und mit dem Geld was ich einnehme, fördere ich den Rollstuhlsport. Im Gespräch mit jungen Menschen, und vor allem Sportlern, mache ich immer deutlich, wie wichtig es ist, in allen Situationen immer das Beste zu geben und großen Einsatz zu zeigen. Ansonsten wird man es im Leben nicht schaffen. Hier in Nigeria ist es leichter auf der Straße zu enden, als erfolgreich zu sein.

Lassen Sie uns über Wasiu Yusuf sprechen. Er ist der einzige nigerianische Sportler, der sich für die Paralympics qualifiziert hat. Und es gibt hier ja auch noch ein paar andere Talente wie Jude Nwasie, die es auch verdient haben, erwähnt zu werden. Es gibt hier einige Spieler, die es weit bringen können. Was können wir in der Zukunft von Ihren Spielern erwarten?

Vor 3 Jahren stellte die ITF mir eine ähnliche Frage. Von 300 meiner Spieler sind 200 imstande kompetitiv mit der Weltklasse mitzuhalten. Denen beim Tennis zuzuschauen ist einfach großartig, denn sie bringen tonnenweise Talent mit. Ein Versprechen kann ich der Welt machen: Die nächste Nummer eins im Rollstuhltennis wird sicherlich ein Afrikaner sein.

Interview: JMH-Reporter v. Dreden

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