Vom Urvater der Kampfkunst und die geheime Linie fernöstlicher Kampfkünste

Um 440 n. Chr. zog ein indischer Mönch mit dem Schiff von Indien und dann über das tibetische Hochland nach China hinaus. Sein Name war Damo ( Bodhidharma ).
Mit seinen Lehren aus Bewegung und Meditation reformierte er das legendäre Shaolinkloster, welches am Berg Songshan in der Provinz Henan im Herzen Chinas liegt. Er gilt seitdem als Urvater der asiatischen Kampfkünste.

In den Legenden der asiatischen Kampfkünste wird Damo (Bodhidharma) als Urvater des asiatischen Kampfkünste verehrt. Sein Bild hängt in vielen chinesischen und japanischen Kampfsportschulen. Bodhidharma wurde ca. 440 in Kanchi der südindischen Hauptstadt des Königreichs Pallava als Brahmane und dritter Sohn des Königs Simhavarma geboren. Schon früh konvertierte er zum Buddhismus (Zen). Er wurde im Dharma von Prajnatara unterwiesen, der ihm auch auftrug nach China zu gehen, so das er dann von Mahaballipuram von Land ging und nach drei Jahren auf See in Südchina an Land (Nanhai) ging (ca. 475). Laut Tao- yuan’s „Transmission of the Lamp“ (1002) wurde Bodhidharma vom Herrscher Wu der Liang-Dynastie in die Hauptstadt Chien Kang berufen. Dieser konnte mit Bodhidharma’s Belehrungen nichts anfangen. Er wanderte dann zum Shaolin-Tempel am Berg Sung in der Honan-Provinz. Am westlichem Gipfel Shaoshih soll er neun Jahre in einer Höhle verbracht haben. Dort Meditierte er indem er auf eine Felswand sah auf der Ameisen rumkrabbelten.

Die Mönche in Shaolin sollen bei der sitzenden Meditation eingeschlafen sein. Um dies zu verhindern, soll Bodhidharma ihnen eine Art der Meditation in der Bewegung beigebracht haben, aus dem indischem Yoga. Daraus sollen sich der Legende nach die Kampfkunstformen entwickelt haben. Es wird auch behauptet, dass er über die schlechte körperliche Verfassung der Mönche schockiert war und ihnen deshalb Übungen zur Stärkung des Körpers zeigte.
Dass er sie Kampfkunst gelehrt haben soll, wird heute angezweifelt, da es in frühen Quellen keine Belege dafür gibt.

Seine beiden Schriften „yi jin jing“ und „xi sui jing“, die Qigong zum Thema haben, beeinflussten die chinesischen, koreanischen und japanischen Kampfkünste mit. Der erste Shaolin-Tempel wurde im Auftrag des Herrschers Wei für den indischen Mönch Batuo um 400 errichtet. Bodhidharma wird jedoch als der Vater des chinesischen Chan (jap. Zen) Buddhismus gesehen, wie er in Shaolin praktiziert wurde. Die Kampfkunst der Shaolin wurde erst in der Tang Dynastie (618- 906) berühmt. In dieser Zeit sollen der Legende nach 13 Mönche von Shaolin Li Shi-Ming geholfen haben für Recht und Ordnung zu sorgen. Die Kampfkunst der Shaolin hat sich wahrscheinlich primär aus der Notwendigkeit zur Selbstverteidigung entwickelt. Zum einem um Wandermönche und zum anderem, um die Ländereien der Shaolin vor Banditen zu schützen.

Die chinesischen Triaden und die Shaolin-Legende
Auch die chinesische Mafia (Triade) sieht ihren Ursprung der Legende nach in Shaolin. Sie preist auch die Ming- Dynastie (1368- 1644), in der das chinesische Wushu seinen Höhepunkt gehabt haben soll, an. Die Ming- Dynastie wurde von der Qing- Dynastie (1644-1912) abgelöst. In der Qing- Dynastie wurden die Han-Chinesen ( Ming-Dynastie ) von den Mandschu ( Qing-Dynastie ) aus dem Norden regiert. Gegen diese Fremdherrschaft bildeten viele Kampfkünstler Geheimgesellschaften mit dem Ziel Qing zu stürzen und Ming wieder herzustellen. Die Triade sieht sich auch in dieser Tradition. Sie meinen, von Shaolin Mönchen wie Bruder Hong nach der Zerstörung des Tempels gegründet worden zu sein. Der Einfluss der Triade auf die Filmindustrie in Hongkong scheint ein Grund für die Thematisierung dieses Themas in den Shaw-Brother Filmen zu sein.

Indische Wurzeln fernöstlicher Kampfkunst und Parallelen
Eine Verbindung des indischen Kalaripayat zu asiatischen Kampfkünsten scheint offenbar zu bestehen. Parallelen sieht man auch in der Weitergabe der Linie an einen Meisterschüler, meist aus der eigenen Familie. Dies wird in Form der Übergabe von geheimen Anleitungen auf Palmblättern getan. Diese Schriften haben nicht nur Kampfkunst zum Thema. Manchmal werden diese Schriften auch vor Uneingeweihten geschützt, indem sie nur durch ein spezielles Verfahren lesbar sind. Ein Übergabe von Geheimwissen an den Meisterschüler findet sich auch in Japan. Viele alte Dojos besitzen sogenannte Denshos. In China gab es sicherlich auch derartige Handbücher. Es ist aber auch vorgekommen, dass Meister lieber Teile ihres Wissens mit ins Grab genommen haben. So verloren einige Linien über Generationen an viel Wissen.

Eine weitere Parallele zwischen Kalaripayat und anderen asiatischen Kampfkünsten ist die Verbindung von Kampfkunst mit Religion und Medizin.
Die Anbetung von Devas im Kalaripayat ist Teil der Ausbildung. In chinesischen Kung-Fu-Schulen schlossen die Mitglieder im inneren Kreis Blutsbrüderschaft. Sie ähnelten Kulten in denen ihre Gründervater verehrt wurden, sowie andere geistige Entitäten wie z.B. der göttliche General Guan Yu. In den japanischen Kampfkunstschulen (Ryu) war dies ähnlich. Dort findet man Verbindungen zwischen Ryu und Buddhismus und Shinto. Zum einem wie bei den Shaolin zum Zen Buddhismus, aber auch zum tantrischen Shugendo.
Herrenlose Samurai (Ronin) wurden oft Mönche.

Medizin, Religion, Volkstänze und Kampfkunst
Ein anderer Aspekt der Kampfkünste ist das Thema Medizin. Die Meister des indischen Kalaripayat sind auch Meister der Ayurveda-Medizin. Gute chinesische Sifus ( Meister ) haben oft auch Kenntnisse in traditioneller chinesischer Medizin. Der Soke des japanischen Bujinkan Dojo Dr. Masaaki Hatsumi, ein wahrer Ninja, ist auch ein berühmter Chiropraktiker (jap. Sekkotsu). Dies ist sehr Praktisch, denn wenn er seinen Schülern im Dojo etwas auskugelt, dann kann er es gleich wieder einrenken. In Indien heißt diese Kunst Bhagna und in China Di-da. Auch Dort wird sie gern von Kampfkünstlern gelernt. Die Verbindung Medizin und Kampfkunst ist eine Zweckbeziehung. Im Training kommt es immer wieder zu Verletzungen, deshalb ist es gut, sie gleich vor Ort behandeln zu können. Außerdem bildet sie einen guten Nebenerwerb für den Meister, wenn sein Ruf als Heiler über die Schule hinaus geht. Medizinische Kenntnisse verbessern zudem deutlich die Technik. Ein Kenner der Akupressur und Akupunktur kann den Qi- Fluss zum positiven wie negativen manipulieren. Im zweiten Fall hat es angeblich letale Folgen.

In Asien haben im Mittelalter sogar Schamanen Einfluss auf die Kampfkünste ausgeübt. Der chinesische Wu- Schamanimus soll das Qigong mit geprägt haben. Seine Tänze werden auch als mögliche Vorlagen für die Formen der Kampfkünste gesehen. Wenn man sich die Tierformen anschaut, könnte durchaus ein Bezug zu Tänzen von Schamanen bestehen. Ein bekanntes Beispiel, wo Schamanen direkt Kampfkünstler unterrichtet haben, sind die Hwarang in Korea.

In der alten koreanischen Kampfkunst Taekgyeon finden sich noch tänzerische Elemente, die Parallelen zu lokalen Volkstänzen aufweisen. So etwas ist auch aus dem Okinawa Karate und indischem Kalaripayat bekannt. Stammestänze bei Naturvölkern könnten wohl neben dem sozialen und religiösen Aspekten auch eine früh Form der Konditionierung des Körpers für Kampfsituationen gewesen sein. Die Strategie Kampfkünste als Tänze zu tarnen, findet man nicht nur im brasilianischem Capoeira, sondern auch im philippinischem Kali. Zudem sieht die meisterhafte Ausführung in den Kampfkünsten meistens sehr weich, fließend und tänzerisch aus. Gute Beispiele hierfür sind die aufwendiger zu erlernenden chinesischen inneren Kampfkünste Taiji und Baguazhang, sowie das japanische Aikido.

Religion und Kampfkunst
Die Verbindung von Religion und Kampkunst spielte auch in Europa eine große Rolle. Die olympischen Spiele wurden zu Ehren der Götter gehalten. Die Gladiatorenkämpfer im antiken Rom stellten in ihren festgeschriebenen Rollen (Rüstung und Bewaffnung) mythische Figuren aus den etruskischen Totenkult dar. Milon von Kroton war der größte Sportler der Antike und ein Schüler von Pythagoras. Bei den Kreuzzügen nahmen christliche Mönche auch das Schwert in die Hand. Dies nannten sie das Kreuz aufnehmen, wegen der Kreuzform ihrer Schwerter. Die bekanntesten und berüchtigsten unter ihnen waren wohl die Templer.

Allerdings: Auch wenn es auffällige Parallelen gibt, scheint es keine wirkliche Urwurzel aller Kampfkünste zu geben. Komplexe Systeme die Religion, Medizin und Kampfkunst vereinen, sind auch überall auf der Welt unabhängig voneinander entstanden.

Quellen:
-„Kempo- Die Kunst des Kampfes.“ von A. Dolin
-“Capoeira und Candomblé- Conformity and Resistance through Afro- Brazilian Experience.” von Floyd Merrell
-“Ritual & Mythology of the Chinese Triads.” von Barend J. ter Haar
-“Classical Weaponry of Japan.” von Serge Mol.
-Buch zur BBC Dokumentation “Way of the Warrior”
-„Shadow Warriors“ von Haha Lung

(sej)

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2 Antworten zu Vom Urvater der Kampfkunst und die geheime Linie fernöstlicher Kampfkünste

  1. Chris sagt:

    Medizin und Kampfkunst gehören einfach zusammen, denn nur wer sich in der Anatomie auskennt hat die Möglichkeit die Nervenpunkte wie im DIM Mak für sich nutzbar zu machen. Das Training auf diese Nervenpunkte ist allerdings langwierig und deshalb benutze ich auch das theoretische Lehrmaterial wie Nerenpunkttafeln.

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